Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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1811 und 1812, war er für wichtige Reformen in den Einrichtungen der Fürſtenſchule thätig, deren Folge ihr Uebergang in neue, zeitgemäßere Zuſtände war. Ein ſtarkes Actenſtück im hieſigen Schul⸗Rentamte aus jener Zeit und die Mittheilungen des Hrn. Prof. Dr. Oertel aus ſeiner Erinnerung befähigen mich zu näherer Schilderung dieſer Umwandlung. Sie betraf ſowohl die Lehre als das erziehende Leben, mit deren Umgeſtaltung ein koſtſpieliger Umbau und eine bedeutende Vermehrung des Lehrer⸗Perſonals unauflöslich zuſammenhing. Zunächſt ſkizzire ich die alten Zuſtände. Es waren mit dem Rector zuſammen nur 5 Lehrer angeſtellt, die na

der Reihe, jeder eine Woche lang, die hebdomadariſche Inſpection zu führen und während dieſer Woche auf der Schule zu wohnen hatten. Ein großer Uebelſtand war es, daß beim Unterrichte mit Ausnahme der Emendationsſtunde und des mathemat. Unterrichts Prima und Secunda(die Oberlection) vereinigt waren, ebenſo Tertia und Quarta(die Unterlection). Dabei wurden die Vorträge in den beiden obern Klaſſen außer in der Mathematik und Geſchichte, alſo ſelbſt in der Religion, in latein. Sprache gehalten. Es war daher den aus Tertia neu Eingetretenen ſchwer, den Lehrern der iſten Abtheilung zu folgen, während die Primaner ſich oft langweilten. Faſt eben ſo ſchlimm wirkte die Vereinigung von Tertia und Quarta. Mangel an Intereſſe, Plauderei, fremdartige Beſchäftigungen traten als nächſte Folge hervor. Freilich waren auch mehrere wichtige Unterrichtsgegenſtände noch dürftig oder unangemeſſen bedacht. Die Oberlection hatte im Grie⸗ chiſchen wöchentlich in einer einzigen Stunde Homer's Iliade und in einer Stunde Xenophon's Memorabilien zu behandeln. Außerdem wurde in Prima allein 1 St. die griech. Chreſtomathie von Geßner oder eine Sophokleiſche Tragödie oder ein Stück davon oder auch eine Rede von Iſokrates geleſen. Dieſe Minderzahl an griech. Lehrſtunden in der Oberlection wird von den Lehrern in ihrer gemeinſchaftlichen Eingabe ſtark hervorgehoben. Für die deutſche Sprache war gar nicht geſorgt. Ferner hatte Prima allein 2 Stunden Phyſik und in einer wöchentlichen Stunde abwechſelnd Aſtronomie, Architectur, math. Geographie, Chronologie. Theoretiſche Mathe⸗ matik fehlte alſo in der oberſten Klaſſe ganz, die bevorzugte angewandte giebt ein erſchreckendes Zeugniß von der frühern gänzlichen Verkennung des Zweckes einer Gelehrtenſchule im Allge⸗ meinen. Die Sekundaner erhielten in 2 St. Geometrie, die neuen Secundaner in 1 St. Algebra vorgetragen und wurden in dieſer Stunde auch im geom. Zeichnen geübt. In der Unterlection las man im Griechiſchen neben grammatiſchen Stunden wöchentl. 1 St. neues Teſtament und abwechſelnd 1 St. den Paläphatus mit ſeinen veralteten allegoriſchen und etymologiſchen Erklä⸗ rungen der Mythen, und Gedicke's griech. Leſebuch. Deutſch 1 St.; Arithmetik, wahrſcheinlich gewöhnliches prakt. Rechnen, 2 St. Wie viel geht ſchon aus dieſer bloßen Bezeichnung der Lehrgegenſtände und ihrer Vertheilung, noch im Jahre 1812, 7 Jahre nach Schiller's Tode, hervor! Die Lehrer indeß, beſonders der Conrector M. König und die Profeſſoren M. Hentſch und Weiske huldigten, mit Ausnahme des Mathematicus M. Lüdicke(der übrigens ein vortrefflicher Mann war) in Bezug auf ſein eignes Fach, ſchon längſt dem beſſern neuen Geiſte, ja waren von ihm ergriffen: trugen ſie doch ſelbſt auf die Reform in Lehre und Leben im Spätherbſt 1811 bei Dietrich v. M. an! Ob auf eigne oder des Letzteren oder Reinhards Anregung bleibt unbeſtimmt. Am wahrſcheinlichſten iſt, daß Reinhard als Mitglied des königl. Kirchenrathes, der damaligen Oberbehörde der Schule, den Anſtoß gab. Jeder Lehrer wurde dann von Dresden aus aufge⸗ fordert, noch ein beſonderes Gutachten abzugeben, das beſonders in Rückſicht auf Disciplin erfolgte. Die Lehrer bezeichnen hier den Geiſt der Schule als den Geiſt der Inſubordination. Die Schüler