Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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an ſeinelieben Landleute eine Erziehungs⸗ und Verſorgungsanſtalt für Knaben von 6 bis 15 Jahren,um Dürftige, die, bei zum Theil großer Sittenloſigkeit der Eltern, Gefahr laufen, in Unwiſſenheit und Rohheit aufzuwachſen oder wohl gar durch das üble Beiſpiel der Eltern früh⸗ zeitig zum Böſen verleitet zu werden, aus dem Elend zu reißen. Die Knaben werden bei andern paſſenden Familien untergebracht, die ſämmtlichen Koſten der Ernährung, Bekleidung und Schule trägt der Gutsherr, ja ſtellt bei guten Erfolgen an Einzelnen für dieſe noch weitere Hülfe und Verſorgung in Ausſicht. Alle Bedingungen, namentlich die Beträge der Vergütungen, ſind dabei genau und mit praktiſchem Sinne feſtgeſtellt. Später entwickelte ſich dieſe Anſtalt zu einem Armenhauſe in Scharffenberg. Die Beziehungen zu den Gebildeten ſeines Berufskreiſes durch⸗ dringt, auch in den ſpätern Lebensjahren Dietrich's v. Miltitz, ein ähnlicher Geiſt. Damit z. B. dem auf einer ſeiner Beſitzungen, die er ſpäter verkaufte, von ihm angeſtellten trefflichen jungen Pfarrer(der mir die Thatſache unter dankbarer Erinnerung ſelbſt mittheilte) die Verſetzung auf eine einträglichere Pfarrſtelle nicht entgehe, die das Miniſterium zu vergeben hatte und ihm zu⸗ dachte, erſetzte der General den ſonſt unumgänglich nöthigen Revers, den der neue Gutsherr hart⸗ näckig verweigerte, durch Abtretung wichtiger Patronatsrechte in einem andern Kirchſpiele. Auch manche rührende Handlung aus dem täglichen Leben kommt vor. Er konnte es z. B. nicht anſehn, wenn eine Arbeiterfrau, ein Kind oder ein Handwerksburſch mühſelig und beladen des Weges daherzog, während ihn ſammt Gattin und Kindern die friſchen Roſſe trugen. Er ließ dann halten, ermüdete Frauen oder Kinder mußten ſich mit in den Wagen, Handwerksburſchen und ſonſtige müde Wandrer hinten auf ſetzen. Dieſelbe thatkräftige Liebe waltet auch durch die weitere Lebensſphäre dieſes Mannes. Seine Mildthätigkeit gegen Nothleidende und Arme ſo wie für Wohlthätigkeitsanſtalten aller Art war allgemein bekannt. Auch Emigrirte und wiſſenſchaftliche Männer unterſtützte er aufopfernd oder nahm ſie gar bei ſich auf, z. B. den Phyſiker Ritter und einen Abbé.(Vgl. den 3ten und 4ten der unten folgenden Briefe von Novalis.)

Seit dem Jahre 1809 bethätigte ſich ſeine Menſchenfreundlichkeit noch in einem erweiterten Berufskreiſe. Die Fürſtenſchulen hatten früher einen adligen Schulinſpector, der eine perſönlich einwirkende Mittelbehörde bildete. Dietrich v. M. war dazu wie geſchaffen und der Kreis über⸗ trug ihm dieſe Stellung zu St. Afra. Auch hier erwarb er ſich durch Humanität, Eifer und aufgeklärte Lebensweisheit allgemeine Achtung und Liebe. Er war von den adligen Inſpectoren der erſte, der es in Gemeinſchaft mit den Lehrern wagte, Hand an die damals noch auf den deutſchen Schulen wüthende Hyder, Pennalismus genannt, zu legen. Hr. Prof. Dr. Oertel, der älteſte, noch wirkende Profeſſor zu St. Afra, erzählt aus dieſer Zeit folgenden Vorfall, deſſen Augenzeuge er als Schüler war. Die oberen beaufſichtigenden Schüler hatten untere, kleiner Schulvergehen wegen, mit Haſelruthen durchgepeitſcht. Als wegen dieſes Unfugs eine ſtrenge Unterſuchung erging, entflohn die beiden Hauptſchuldigen. Ein Dritter brachte den Entwichenen nach dem nächſten Abendgebete, als der Lehrer den Saal verlaſſen hatte, ein Hoch aus. Nach der neuen Unterſuchung, der Dietrich v. M. beiwohnte, wurde der Schuldige, der ſich nannte, ſofort in's Carcer geſchickt. Auf dem Schulhofe jedoch nahm ihn der ganze Cötus in die Mitte, um wo möglich die Ausführung der Strafe zu verhindern. Als aber Dietrich v. M. heraustrat, nach dem Beſtraften rief und ihm befahl, ſich ſogleich in's Carcer zu verfügen, öffnete ſich der Kreis der Schüler und unverzüglich geſchah das Befohlene. Dies begab ſich im Juli 1809. Es bezeugt das Anſehn, das dieſer edle Mann auch bei einer ungebührlich erregten Jugend hatte. Später,

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