Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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der Mutter vom 20. Juni(wahrſcheinlich gegen Mitte Juli) empfing, zugleich mit einer Nachricht von anderer Hand, die Mutter ſei ſchwer erkrankt, reiſ'te er ſofort von Lauſanne zu ihr ab, erfuhr aber bei ſeiner Ankunft in Dresden den Ungrund jener ängſtigenden Meldung. Da ſeine Ueberzeugung nicht wankte, ſo hatte er wohl ſchwere perſönliche Kämpfe mit der Mutter zu beſtehn, die ihm, laut einer Familien⸗Ueberlieferung, zuletzt noch auf dem Wege nach Frankreich nachreiſ'te, in Frankfurt einholte und erſt dort zur Rückkehr und zu dem Verſprechen bewog, nicht in franzöſiſche Dienſte zu treten. Doch gab er die Abſicht, ſich auf irgend eine andre Weiſe am Kriege zu betheiligen, nikht auf. Auf welche, bleibt der Mutter gegenüber im Ungewiſſen. Zwar ſieht er in ſeiner Kampfluſt nun die Möglichkeit, auf der Gegenſeite zu fechten, und ſchaut damit die fata morgana ſeiner fernen Zukunft, läßt auch in dem betreffenden Briefe an die Mutter, offenbar zu ihrer Beruhigung, recht helles Licht auf dies Nebelbild fallen. Aber er wälzte doch, wie aus der Antwort eines Freundes unzweifelhaft erhellt, den Gedanken und hegte wenigſtens zunächſt den Plan nach Belgien zu gehn, um dort ſeiner urſprünglichen Ueberzeugung gemäß zu wirken. Denn ſeine Begeiſterung dauerte fort. Dies lehrt ein Antwortſchreiben des ehrlichen Hardenberg an ihn vom 31. Decbr. 1792, nach Hamburg, wo wir den noch immer ſehr unruhig Bewegten Ende 1792 finden. H. ſchreibt ihmüber ſeinen Enthuſiasmus für das franzöſiſche Militair:Wir wollen über die justitiam causae nicht urtheilen, aber wollteſt du denn wohl gerne für den Herzog von Orleans fechten? Denn daß der Hr. Egalität und nicht wahrer Patriotis⸗ mus die National⸗Verſammlung beherrſcht, kannſt du das läugnen? Wenn Lafayette, Bailly, Tollendal und alle die rechtſchaffenen Mitglieder der erſten N.⸗Verſammlung ihren Plan hätten ausführen können, ſo ſollte mir dein Eifer nicht wehe thun; allein wenn ich dich als einen Defenſor des raſenden Jacobiner⸗Clubs ſehen ſollte, das könnte mir unmöglich gefallen. Wie lange wird es währen, ſo wird es Dumouriez und ſeinen Collegen ſo wie Lafayette, Montesquiou und Andern gehn!

Die weitere, grauſenvolle Entwicklung der Dinge in Frankreich mochte weſentlich zur allmäh⸗ lichen Lähmung der neuen Pläne beitragen. Für die Mutter und ihre Verbündeten hatte das Sprüchwort gegolten:Zeit gewonnen, alles gewonnen Sie hatten geſiegt. Der Sohn reiſ te zweimal nach England und Alles führte zu einem ganz andern Ausgange. Bei ſeinem Auf⸗ enthalte in London lernte er eine Dame von großer Schönheit kennen: Miß Sara Anna Conſtable (geb. 1774), mit der er ſich 1796 vermählte. Sara war eine rege tüchtige Hausfrau, eine ſorg⸗ ſame, einſichtige und verbeſſernde Verwalterin der Güter in des Gatten häufiger, oft langer Abweſenheit, vor Allem eine liebevolle Mutter. Sie ſchenkte dem Gemahl im Laufe der Jahre kräftige Kinder, von denen 6, 2 Söhne und 4 Töchter, erwuchſen und 5 ein höheres Alter erreich⸗ ten: Henriette, Georg(geb. 9. Auguſt 1802), Alexander, Auguſte, Cöleſtine, Editha. Henriette ſtarb im erſten jungfräulichen Alter, Auguſte vermählt in ihrem 33. Jahre, die übrigen leben.

So war denn der Mutter Wunſch erfüllt und Dietrich v. Miltitz lebte eine Reihe von Jahren ruhig und glücklich den Seinigen und den Wiſſenſchaften auf Siebeneichen, wo er Vieler Troſt und Hülfe ward. Vereinzelte Nachrichten darüber giebt noch das Familien⸗Archiv. Es hat ſich z. B. eine kleine, Schloß Scharffenberg d. 15. Febr. 1797 datirte, Dankrede eines 12jährigen Schulknaben erhalten, der nebſt 57 andern Kindern vom Gutsherrn bekleidet worden war. Im Jahre 1800 gründet der Letztere in der Nauſtädter Kirchfahrt durch eine gedruckte Bekanntmachung,