15
meine Dienſte zu Vermehrung und Fortpflanzung des Despotismus und der Tyrannei herzugeben und das würde ich thun, wenn ich bei den Mächten, die jetzt gegen die Franzoſen in Krieg ſind, diente. Ob ich gleich weiß, daß unter den Franzoſen eine große Menge ſchlecht den⸗ kender Menſchen und lüderliches Geſindel iſt, ſo iſt nach meiner Einſicht doch ihre Sache die gute und die allgemeine Sache der Menſchheit. Dieß glaube ich und darum will ich, da ich dienen will, lieber der gerechten Sache als der ungerechten dienen. Wenn ich irre, ſo irre ich aus guter Abſicht und bin mehr zu bedauern als zu tadeln.“.
„Glauben Sie ganz gewiß, daß ich auf meiner Reiſe nach Frankreich und bei meinem Auf⸗ enthalt in Paris alles beobachten und daß ich nicht eher mich zu etwas verbinden werde, bis ich ſehe, unter was für ein Corps ich kommen ſoll. Finde ich, daß ich nicht mit Ehre und gutem Gewiſſen dienen kann, ſo kehre ich zurück und bedaure, daß es mir nicht möglich geweſen iſt, etwas zu einer Sache, die ich für die gute erkenne und für die ich alles aufopfern könnte, beizutragen. Finde ich aber, daß noch Ordnung herrſcht und daß ich bei dem Corps nützlich werden könnte, ſo bleibe ich und werde alles Mögliche thun, mir das Zutrauen meiner Soldaten zu erwerben, um mit Ehre ſtreiten zu können. Wie groß mein Enthuſiasmus iſt, ſehn Sie daraus: ich ſetze mich über ſo manches Vorurtheil weg, ich weiß, ich werde von den Meiſten getadelt, und, was mir eigentlich das Einzige iſt, ich betrübe eine Mutter, die ich liebe und über alles hochachte und ehre.“
„Es thut mir leid und drückt mich, daß ich bei einem Schritt, den ich ſonſt mit ſo guter Ueberzeugung thue und mit dem fröhlichſten Herzen thun würde, nicht Ihre Einwilligung haben kann. Dieſe kann ich nicht von Ihnen erwarten, Ihren Grundſätzen zufolge können Sie es nicht billigen, daß ich mich zu dieſer Parthei ſchlage; aber dies Einzige bitte ich Sie, Sie, die ſo weiſe und billig ſind, denken Sie ſich einen jungen Mann, der Thaten und Ruhm ſucht, der Enthuſiaſt für eine Sache iſt, die er für wahr erkannt hat, der die glänzendſte Gelegenheit ſieht, für dieſe Sache zu ſtreiten und verzeihen Sie ihm, wenn er dieſes ſein Alles den Wünſchen und Ausſichten ſeiner Mutter vorzieht. Kann ich dieſes von Ihnen erlangen, ſo bin ich glücklich, ſo werde ich auch ſelbſt im Unglück nicht verzweifeln; ich werde allen Gefahren trotzen und ich werde, wir mögen nun ſiegen oder beſiegt werden, immer zu einer Mutter zurückkehren, die mir durch ihr weiſes Benehmen dann doppelt ſchätzbar werden wird. Verſagen Sie mir dieſe Bitte, ſo bin ich unglücklich; ich weiß nicht, was ich alsdann thun werde, aber Ruhe und Zufriedenheit werden mir fehlen. Glücklich wäre ich, könnte ich den ſanfteren Gefühlen der Liebe und des häuslichen Glückes mein Herz einräumen, könnte ich das Leben führen, welches ich einmal zu führen hoffe und, was der Beſtimmung des Menſchen gemäß iſt, mich und die Meinigen(dahin rechne ich alle Menſchen, ſo viel mich deren umgeben) durch ſtille Tugend glücklich machen. Aber dazu iſt dies Herz, das noch kocht, nicht fähig, und ich muß erſt Ruhe wünſchen, um ſie genießen zu können.“
„Seien Sie verſichert, daß ich, wenn ich nach Frankreich und Paris gehe, erſt alles ganz kalt uuterſnchen werde; denn es kann ſelbſt ein Emigrirter die Volksgrauſamkeit nicht mehr haſſen als ich. 74
„Ich wäre ſchon fort, wenn ich nicht noch auf Briefe wartete.“
—„Ich beſchwöre Sie nochmals, warum ich Sie ſchon gebeten habe: ruhige Ueberlegung und illigkeit!“
Hier endet der Brief nach einfachen Schlußworten. Als aber der Sohn die obigen Zeilen


