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hielteſt, als ich fürchte, daß Du thuſt, würde ich Dich nicht ſo ſehr auffordern, Deine eignen Kräfte anzuſtrengen, weil ich die insuffisance derſelben kenne, aber mit einem natürlichen Men⸗ ſchen(vergieb dieſen Ausdruck) muß man ſo reden.“ Und in einem folgenden Briefe:„Sage mir, was wollteſt Du in Dresden machen? Bei dem Domherrn hältſt Du's nicht 8 Tage aus, die großen Geſellſchaften liebſt Du nicht und führen ſie auch zu nichts—— in Leipzig kannſt Du ſolide Kenntniſſe Dir ſammeln und machſt Dir die Reputation, daß Du nicht gleich nach dem Examen das Haſenpanier ergreifſt.—— Applicire Dich vornehmlich auf die Sprachen, mein Kind!“ Und wirklich gelingt es ihr, den Sohn bis in die erſten Wochen oder Monate des Jahres 1790 mit dem Hofmeiſter in Leipzig feſtzuhalten. Die Pläne für die Verwaltung oder das Forſtfach, die in den Briefen der Mutter aufgetaucht waren, wurden von ſeiner Liebe zu einem thatkräftigen Leben beſiegt. Er trat in die ſächſiſche Reiterei, zuerſt unter die Dragoner, dann auf ganz kurze Zeit unter die Huſaren und ward noch in demſelben Jahre zu Sonnen⸗ burg zum Johanniter⸗Ritter geſchlagen.
Geiſt und Ausſicht dieſes Dienſtes mochten ihm in der ſonſt ſo aufgeregten Zeit nicht gefallen. Er nahm bald auf längere Zeit Urlaub zu Reiſen nach der Schweiz und Italien und verweilte länger in Lauſanne. Dieſe Atmoſphäre war voll gefährlichen politiſchen Zündſtoffes, den die Mutter in ſeinen Briefen ſo ſtark wittert, daß ſie ſchon jetzt vorbeugt und die Aufregung zu dämpfen ſucht. Sie ſchreibt dem Sohne am 28. April 1792:„Du hältſt mich für eine Demokratin?— Das iſt komiſch. Nein, mein Kind, weder Demokratin noch Ariſtokratin, noch alles, was und wie es noch heißt, iſt weder in meinem Herzen noch in meinem Kopfe. Ich halte es mit der Mittelſtraße und denke in der Politik wie in Religionsſachen: die Simplicität und die Ordnung iſt das Beſte. Daß in Frankreich der Despotismus Tauſende unglücklich machte, iſt richtig, aber macht die jetzige Gährung nicht Millionen Menſchen noch unglücklicher? Iſt nicht Frankreich von jeher in Zank mit ſich geweſen? Bald war die Nation Sklave, bald die Könige. Der Fehler liegt unſtreitig in der Regierungsform und in dem Charakter der Nation. Leichtſinnig und grauſam, enkomiaſtiſch in ihrer Liebe für ihren König, vergöttern ſie ent⸗ weder den Mann oder morden ihn. Aufgeblaſen von ihren Verdienſten haben ſie weder Kraft in ihren Köpfen noch Standhaftigkeit in ihren Syſtemen. Der Witz ſteht bei ihnen ſtatt der überdachten Vernunft, bald ſind ſie Kind, bald Mann, bald kriechend, bald Held. Alles iſt in Widerſpruch bei dieſer Nation, und gleichwohl iſt aus ihr der König, die Geſetzgeber, die Miniſter, das Parlament und der General. Daß ſo ein Staat endlich in Gährung kommt, iſt kein Wun⸗ der, man muß ſich wundern, daß es nicht eher geſchah. Ich kann es den Fürſten nicht verdenken, daß ſie ſich drein miſchen. Meinen Gedanken nach hätten ſie's längſt thun ſollen, es wären Tauſende von Menſchen weniger unglücklich geworden und der Scandal wäre eher vorbei geweſen. Aber die Herren Miniſter haben ihre Federn brauchen und die großen Herrn ihr Geld im Kaſten ſchonen wollen.“.
„Daß eine Regierungsform beſſer als die andre iſt, bezweifle ich nicht, aber ſo lange die Welt ſtehn wird, wird jede Regierungsform von Menſchen dependiren, und ſo lange Menſchen exiſtiren, ſo lange wird nie was Vollkommenes beſtehen können, il n'y a que le plus ou le moins qui fait la difflérence. Du wirſt dies vor Deinem 40ſten Jahre einſehn lernen, zumal wenn Du Gelegenheit hätteſt, mehr in's Innere zu gucken, denn es iſt nicht alles Gold was glänzt. Vernünftig, billig und durchgängig rechtſchaffen zu handeln muß unſer Beſtreben ſein,


