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Sinnesart des jungen Edelmannes; er überſpringt nicht nur diejenigen Standesconvenienzen, die veraltet waren, ſobald er kann, ſondern ſucht ſie faſt ſämmtlich im ungezwungenſten Umgange mit Allen abzuwerfen. Doch ging Alles ganz leidlich fort. Aber im Anfange des Jahres 1789 wird es ihm auf der Univerſität zu eng im Schloß, wobei man ſowohl an den nur gewechſelten Hofmeiſter, der jetzt Taube*) hieß, als an das ihm verhaßte jus zu denken hat. Er macht Pläne, Soldat zu werden oder nach Wien zu gehn. Die Mutter widerräth es und ſchreibt weiter den 12. Juni 1789:„Ich freue mich, daß Du ſo einen hübſchen Aufenthalt in Sieben⸗ eichen gehabt und wünſche, daß nach und nach Du eben die Leidenſchaft für mein liebes Sieben⸗ eichen bekommen magſt, die ich habe. Ich denke, daß es ein groß Glück von Gott iſt, wenn man Vergnügen an dem Ort ſeiner wahren Beſtimmung findet. Dieſes Vergnügen muß einen nicht verhindern, es zu verlaſſen, wenn man Beruf dazu hat, aber man kann doch dabei immer fühlen, daß man glücklich iſt, ſo eine retraite zu haben. Du mußs Dich erſt ein Bischen in der Welt umſehen, manche Unannehmlichkeit kennen lernen, aber auch manche Kenntniß mehr bekommen, und dann wirſt Du erſt einſehen, wie gütig Gott für Dich geſorgt, ehe Du noch exiſtirteſt.— Es ſoll mich ſehr freuen, wenn Dein Examen zu Michaelis vor ſich gehn kann, ob ich zwar noch einen unterthänigen Zweifel daran habe.“ Sie ſucht ihn noch auf der Univerſität feſtzuhalten und es iſt ihr vornehmlich ums Franzöſiſche, Zeichnen und um Repetition des Erlernten zu thun. Unterdeſſen ſtellt er ſich zum jur. Examen, erhält die Cenſur„omnino dignus“ und es werden ihm, nachdem er die Specimina ausgeführt,„summi utriusque Juris honores“ über⸗ tragen: alles nach dem noch urſchriftlich vorliegenden Zeugniſſe der Juriſten⸗Facultät zu Leipzig vom 19. Septbr. 1789. Die Mutter erlebt außerdem die Genugthuung, daß von der Univerſität an's Conſiſtorium in Dresden berichtet wird, Dietrich habe ſich ſehr vernünftig und klug aufge⸗ führt. Ferner, ſchreibt ſie ihm, habe ein Profeſſor bei Miniſter Löben erzählt, wie ſehr wenig die jungen Leute mit auf die Univerſitäten brächten, dort nicht applicirt wären, wie die Haſen auf den Gaſſen herumliefen und daß die Bürgerlichen noch weniger lernten als die Adligen und es in unmännlichem Weſen den Edelleuten zuvorthäten ꝛc. ꝛc. Ein junger Miltitz diſtinguire ſich unter letzteren ſowohl in Abwartung ſeiner Collegien als in ſittlicher und männlicher Auf⸗ führung, er würde die Achtung der Univerſität mit zurück nehmen.„Löben empfing mich gleich mit dieſer Nachricht und ob mir gleich mein Gedächtniß ſagte, daß es nicht ſo ganz richtig mit der Abwartung der Collegien und mit der Application wäre und ich ein bischen roth bei dieſem Lobe ward, ſo richtete doch der Gedanken mich auf, daß doch mein Sohn als ein vernünftiger Menſch mit Wahrheit aeſtimirt werden könnte. Ich ſchreibe Dir dies, weil ich weiß, daß Du zu klug biſt, um hochmüthig über das Lob der Menſchen zu werden, aber auch vernünftig genug, um Dich zu freuen, daß Deine Reputation ohne Flecken von der Univerſität kommt. Der Wunſch, der mir dabei einfiel, iſt, daß Du doch ja auch nach dem Examen noch alle Collegia mit anhörſt, die vor der Meſſe geleſen werden, damit Ende gut alles gut iſt.“ Den 1. Decbr. ermahnt ſie ihn, noch weiter auszuharren:„Gehe friſch ams Werk wie ein thätiger Mann und nicht wie ein Baugefangener, der die Eiſen auf den Gaſſen herumſchleppt. Je ſchwerer Dir's wird, je mehr mußt Du Kraft anwenden, über Dich zu ſiegen. Wenn Du mehr auf das Gebet
*) Er blieb der Familie ſehr anhänglich, pflegte z. B. die Mutter Dietrich's noch in ihrer letzten Krank⸗ heit. Dietrich ſelbſt dichtete noch in ſpäten Jahren eine Grabſchrift auf ihn.
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