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ich könne recht gut auch thun, was ich ſo oft von jungen Leuten beiderlei Geſchlechts ſagen hörte, nämlich von Juden leihen. Ich klatſchte mir Beifall zu, ein ſo gutes Gedächtniß und ſo viel Geſchick zu haben, um bei dieſer Gelegenheit Vortheil daraus zu ziehn, ich fand mich ſelbſt ſehr befähigt und war wohl mit mir zufrieden, ich ſchickte nach einer Jüdin, die ich kannte. Frau Nathan erſchien, ich theilte ihr meine Verlegenheit mit, ſie lachte mir in's Geſicht, nannte mich ein Kind, daß ich mich einer Kleinigkeit wegen beunruhige, frug mich nach der Summe, die ich zu haben wünſche— ich nannte ihr mit bebender Stimme 150 Thaler. Sie zählte mir auf der Stelle mein Geld auf den Tiſch, küßte mir mehr als zehnmal die Hände, verſicherte mich, daß ich nur zu ſprechen brauche, daß ſie mich ihres Vertrauens würdig wiſſe, daß die und die ihr viel mehr ſchuldig ſei— ſie ſchloß damit, mir einen Schein vorzulegen, der beſagte, daß ich 170 Thaler empfangen habe. Zwar ſei dieſer Schein für jemand anders geſchrieben, doch wolle ſie meine Geduld nicht mißbrauchen und ich hätte nichts zu thun als meinen Namen zu unter⸗ zeichnen und nach den übrigen 20 Thalern zu ſchicken, wenn mein Geld zu Ende gehe. Ich unter⸗ ſchrieb, ich glaubte mit einem Engel zu ſprechen und kein Argwohn ſtörte meine Freude, ich lief die mürriſche Kammerdienerin zu bezahlen, ich bezahlte meine Schulden und flog zum Stelldichein, glücklicher als eine Königin. Während ich nun im Vergnügen lebte und webte, hatte die Kammer⸗ frau einige Kenntniß von meinem Handel erhalten, ſie hatte darüber zu dem übrigen Geſinde geſprochen, dieſe zu Anderen und nach und nach war meine Geſchichte unter meiner Bekanntſchaft verbreitet, ohne daß ich ein Wort davon wußte. Ich ſah wohl, daß man mich vernachläſſigte, daß man mich als ein Kind anſah, das ſich nicht zu regieren verſtand und doch die Verſtändige ſpielen wollte, ich empfing die Zeichen der Güte von Landeshauptmanns mit Verlegenheit, ich wußte, daß ich ihrer wegen meines Mangels an Vertrauen unwürdig ſei, die Briefe meiner Mutter, die bis hierher mein Entzücken geweſen waren, kamen mir wie ebenſo viele Geſpenſter vor, die erſchienen, mich mit Vorwürfen zu quälen; ich war durch das Gefühl meiner Schuld im Innern zerriſſen und nach außen meiner unbeſtändigen Aufführung wegen. Ich blieb einige Zeit in dieſer Lage, wurde aber grauſam herausgeriſſen. Wegen des Ausbleibens der Poſten oder ich weiß nicht aus welchem Grunde empfing ich mein kleines Monatsgeld nicht und ſandte nach den 20 Thalern aus, die ich noch von der Jüdin zu bekommen hatte. Dies war ein Noth⸗ pfennig. Aber wie groß war mein Schrecken, als ich ſtatt der Nathan meinen Bruder ein⸗ treten ſah, der mir meinen Schein zurückgab und mir erzählte, die Jüdin ſei zu ihm gekommen, um ihr Geld wieder einzukaſſieren, wenn ihr Advocat ſich nicht meiner kleinen Habſeligkeiten bemächtigen ſolle. Ich hatte gut ſagen, daß ich betrogen ſei, daß ich noch 20 Thaler erhielte: mein Bruder machte mir bemerklich, die Jüdin ſei noch ſehr ehrlich geweſen, ſonſt hätte ſie mich um mehr als 20 Thaler betrogen, in Anbetracht meines Leichtſinns, mich einer Jüdin eher als meinen Eltern zu vertrauen, und in Anbetracht meiner thörichten Eitelkeit, mich ſelbſt leiten zu wollen.
Ich wüßte Dir nicht zu ſagen, mein Sohn, was mich von dem Kitzel, Schulden zu machen, heilte, ob es das unwürdige Verfahren der Jüdin war, die Predigt der Kammerzofe oder die edelmüthige Güte und die ſanften Vorſtellungen meines Bruders: aber ſo viel iſt gewiß, daß ich ſeitdem niemals etwas gekauft habe, als was ich ſofort bezahlen konnte und daß ich niemals geborgt habe, ohne ſicher zu ſein, zur verabredeten Zeit bezahlen zu können. Ich habe mich bei dieſer Gewohnheit ſehr wohl befunden, ich habe immer, was ich brauchte, zum billigſten Preiſe gehabt, und mein Credit iſt ſo gut, daß ich ſo viel Geld haben kann wie ich
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