Aufsatz 
General Dietrich von Miltitz, sein Leben und sein Wohnsitz : Nebst vier noch ungedruckten Briefen an ihn von Novalis und einem Facsimile von dessen Handschrift / von Adolf Peters
Entstehung
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riß, in den er ſchon im Begriffe ſtand, ſich zu ſtürzen. Wir werden dies weiter unten mit erleben und kehren jetzt zu dem Knäbchen zurück.

Der biedre Hardenberg zu Weißenfels und der Graf von Einſiedel auf Reibers⸗ dorf, die ſich Beide der Brüdergemeinde angeſchloſſen hatten, wurden ihm zu Vormündern beſtellt. Er verweilte nur noch etwa ein Jahr bei der Mutter. Sie mochte der richtigen Anſicht ſein, ein Knabe entbehre vorwaltende männliche Leitung nie ohne ſchwer wieder gut zu machenden Schaden und es iſt ein Zug ihrer weiſen Selbſtverläugnung, daß ſie ſchon früh in die Trennung willigte oder ſie gar veranlaßte. Der Kleine wurde der perſönlichen Leitung des Grafen von Einſiedel, ſeines Vormundes, übergeben und in deſſen Hauſe, zugleich mit ſeinen 2 Söhnen, deren älteſter Heinrich hieß, und mit ſeinem Neffen Detlev(dem ſpätern K. Sächſiſchen Staats⸗ miniſter) bis in ſein zehntes Jahr unterrichtet und erzogen. Dann erfolgte, auf den energiſchen Betrieb der Mutter, ſeine Verſetzung in das Herrnhuter⸗Pädagogium zu Niesky. Dort ward er, unter dem Rector Zembſch, mit Erfolg in die lateiniſchen Klaſſiker, auch in die Elemente des Griechiſchen und der Mathematik ſo wie in die übrigen Gymnaſial⸗Disciplinen eingeweiht. Aber ebenſo nachhaltig wie die lateiniſche Sprache und Literatur mit ihren großen römiſchen Vorbildern wirkte der Ernſt der Herrnhutiſchen Erziehung auf ihn. Auch bewahrte er in Folge davon lebenslang eine große Liebe zu philoſophiſch⸗chriſtlichen Forſchungen, ſo daß er faſt ein gelehrter Theolog genannt werden konnte. Noch jetzt befindet ſich ſeine reiche Samm⸗ lung theologiſcher Werke, die bis in die 50iger Jahre heraufreichen, in der Bibliothek zu Sieben⸗ eichen. Gegen das Ende ſeiner Gymnaſialzeit ſiedelte unſer Dietrich nach Barby über. Wie hier kleine Unebenheiten vorkamen, erhellt aus einem noch vorhandenen Briefe der Mutter. Bei ſeiner Leſung kann man nicht umhin, ſie in Rückſicht auf die Stellung zu bewundern, die ſie ſich zu dem doch gewöhnlich entfernten jetzt 17jährigen Sohne zu geben wußte. Er hatte Schulden gemacht und bei ihr Hülfe geſucht. Darauf ſchreibt ſie ihm aus Radmeritz d. 31. März 1786: Keine Vorwürfe, mein lieber Dietrich, mache ich Dir nicht, denn dieſe nützen nie, ſie aigriren nur und ſchließen das Herz zu, und ich wünſche um Deinetwillen, daß das Deinige ſich nie vor der Stimme Deiner Mutter ſchließt. Da Erfahrung meine Liebe unterſtützt, ſo kann ich Dir nützlich ſein, Dich vor manchem Fehltritt warnen, aus manchem ziehen, ſo lange Du ehrlich zu Werke gehſt. Du wirſt in mir ſtets eine Freundin finden, die Dir zwar nicht über Deine Fehler ſchmeichelt, die Dir ſie oft noch mehr in's Licht ſetzen wird, die aber auf der andern Seite mit Rath und That zur Hand geht, ſo lange Du es annimmſt, das heißt, ſo lange Du aufrichtig biſt und Dich nicht durch unverſtändige Leute auf den Gedanken bringen läßt, einer Mutter brauche man nicht alles zu ſagen, das hieße ſchwach ſein und was des albernen Zeuges mehr iſt, was ich oft von jungen Leuten gehört und was Du hören wirſt, wenn Du noch etliche Schritte in die Welt thuſt. Nun aber zu Deiner Bitte. Du haſt mir nicht die Summe beſtimmt, die zu Bezahlung Deiner Schulden nöthig iſt, ich erwarte mit nächſter Poſt darüber Nachricht. Ich frage Dich nicht, was Du mit dem Taſchengeld gemacht haſt; denn Verlangen, alles zu haben, was man ſieht, Unerfahrenheit und, wie ich hoffe, kleine Almoſen können einen mit 3 Thlr. geſpickten Beutel wohl leer machen, und ich wundre mich alſo nicht, wenn ultimo nichts mehr im Sack iſt. Aber Schuldenmachen iſt eine andre Sache, bei der ich mich ein bischen aufhalten muß.

Wer borgt, ladet ſich Verbindlichkeiten auf den Hals, die er oft nicht erfüllen kann. Bei