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v. Sahr mit Erlaubniß des Kammerherrn v. M. in der Schrift: Gellert's Briefe an Frl. Erdmuth v. Schönfels. Leipzig 1861. Als Manuſcr. gedr.(Zu haben beim Comité des Gellert⸗ hauſes zu Haynichen) Anhang S. 264 ff. veröffentlicht worden. Sie malen Gellert's Weſen und Lebensart, aber auch Ernſt Haubold's Fürſorge für ihn auf eine rührende Weiſe.
Dieſen trefflichen Vater verlor Dietrich von Miltitz, der den 30. Januar 1769 zu Oberau geboren wurde, ſchon im 5. Lebensjahre. Indem wir ihn als Entdecker und Pfleger Fichte’s und als Freund Gellert's kennen lernten, traten uns zwei bedeutungsvolle Züge ſeines Bildes entgegen. Das ausgeführtere geiſtige Porträt E. Haubold's als eines ritterlich kräftigen und lutheriſch glaubensfeſten, dabei aber milden und zartfühlenden Mannes von feiner pädagogiſcher Einſicht iſt uns unwillkührlich von ihm ſelbſt in ſeiner ausführlichen Inſtruction für den Hofmeiſter ſeines einzigen 4jährigen Söhnchens Dietrich gezeichnet. Sie verdiente an einem paſſenden Orte ganz gedruckt zu werden; hier muß ich mich mit der Mittheilung einer bezeichnenden Stelle begnügen. Man ſieht daraus, wie das Knäbchen zu dem kräftigen muthigen Manne von ausdauernder Geſundheit erzogen wurde. Ernſt Haubold ſagt dem Hofmeiſter:„Ich habe mir viel Mühe gegeben, meinen Sohn von ſeinem erſten Alter an körperlich hart zu gewöhnen. Er hat bei der unangenehmſten und rauheſten Witterung ſeine Spaziergänge wie bei dem ſchönſten Wetter fort⸗ geſetzt. Ich habe ihm nicht nur ermüdende und harte Spielwerke ausgeſucht; ich habe ihn auch oft unter Liebkoſungen und Lobeserhebungen empfindliche Schmerzen übernehmen laſſen. Wunden ſind nimmer wie Uebel, vielmehr wie Kleinigkeiten und immer wie Folgen von Ungeſchicklichkeit angeſehen worden. Hat er ſie nicht geachtet, hat er ihren Verband muthig überſtanden, ſo habe ich ihn abermal mit Freundlichkeit und Lob belohnt und ſo iſt mein Sohn dahin gelangt, um ein Merkliches weniger empfindlich und zärtlich zu ſein, als die meiſten Kinder itzt zu ſein pflegen. Dieſer Plan hat mich nicht leichtfinnig über die Gefahren gemacht, denen ſich die kindiſche Unbeſonnenheit ſo leichte ausſetzt. Ich habe genau über die Unternehmungen meines Sohnes gewacht. Aber wenn ihm eine Gefahr drohete, rief ich ihn ohne Aengſtlichkeit ganz gelaſſen von den gefährlichen Unternehmungen ab, mehr als wollte ich ihm lehren, nichts Unge⸗ ſchicktes vorzunehmen, denn aus einer anſcheinenden ängſtlichen Beſorgniß um das Wohl ſeines kleinen nichtsbedeutenden Weſens. War das Uebel ſchon geſchehen, war der Schmerz ſchon da, ſo kam ich, doch ohne Eile, zu Hülfe, ich ließ ihm eher ein lachendes als ein erſchrockenes oder bekümmertes Geſichte ſehen. Zuerſt warnte ich ihn über ſeine Ungeſchicklichkeit oder über ſeinen Ungehorſam und dann erſt ſchien ich auf ſeinen Schaden zu achten und ihn nur mit Gering⸗ ſchätzung anzuſehen. Trug er ihn muthig, ſo endigte ſich die ganze Scene, wie ich ſchon geſagt, mit Liebkoſung und Lob.— Ich fühle, mein lieber Herr Schreiter, daß in dieſem Falle ein Vater viel ruhiger verfahren kann, als ein Lehrer. Aber ich fordre auch nicht, daß ſie eine billige Sorgfalt für die Geſundheit meines Sohnes unterdrücken ſollen; ich bitte ſie nur, daß ſie ſelbige der Geſundheit, der bereits erlangten Gewohnheit und Stärke meines Sohnes, überhaupt
er Beſtimmung eines Mannes anmeſſen und daß ſie ihn ſolche nie als in dem Maaße einer jeden andern vollkommen kalten Bewegungs⸗Urſache ſehen laſſen. Eben ſo ſorgfältig ſein ſie, mein lieber Herr Schreiter, meinen Sohn von keiner Furcht einnehmen, durch kein Schrecken von irgend einer Handlung, die er vernünftiger Weiſe vornehmen konnte, abhalten zu laſſen. Ich will nicht, daß er unter Pferden krieche, die ihn nicht kennen; ich will nicht, daß er zu jedem Hunde laufe, deſſen Bekanntſchaft er nicht hat, oder der die Ehrlichkeit nicht auf ſeinem Geſichte


