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tigende Mittheilungen über Fichte's Jugendleben zu verdanken ſind: ein Knabe, Namens Fichte, der bei dem Pfarrer Krebel in Lehre und Koſt geweſen, habe die vier Linden gepflanzt, von denen zwei im Pfarrgarten und zwei hinter demſelben dicht an der Mauer ſtehn.*)
Eine etwas ausführlichere, ſehr hübſche Erzählung des obigen Ereigniſſes enthält Fichte's „Leben und literariſcher Briefwechſel von ſeinem Sohne Immanuel Hermann Fichte“. Sie ſtimmt in den Hauptzügen mit der hier gegebenen überein. Jedoch iſt dort der Name des erſten Pfarrers unrichtig angegeben, der des zweiten fehlt, auch wird fälſchlich berichtet, Fichte habe nach ſeinem Aufenthalte bei Krebel, vor der Aufnahme in Schulpforta, noch die Meißner Stadtſchule beſucht. Der jetzige Director derſelben, C. G. Radeſtock, hatte auf meine Bitte die Güte, die„ſehr genau geführten“ Schülerverzeichniſſe aus den Jahren 1771—1774 genau durchzuſehn. Aber Fichte's Name findet ſich darin nicht.— Die zweite Auflage der genannten Biographie(1862) fügt noch eine andre etwas abweichende Ueberlieferung der in Rede ſtehenden Begebenheit an, die jedoch die Wahrſcheinlichkeit weit weniger für ſich hat als die dort zuerſt und die hier mitgetheilte.
Bei Berührung des Verdienſtes, das ſich Dietrich's Vater auf die geſchilderte Weiſe um Fichte und mit ihm um Deutſchland und die Wiſſenſchaft erwarb, bricht Hermann Marggraf in denkwürdige Worte*) aus, die ich mir ausgezeichnet und dem Leſer nicht vorenthalten will:„Pran⸗ gen doch ſo manche hochgefeierte adeliche Namen an der Spitze aller derjenigen Beſtrebungen, die dem nationalen Fortſchritte zudrängten! Freilich waren und ſind dieſe Männer von ächtem Adel der Junkerfraction, die außer ihrem Erbtitel nichts Adeliches beſitzt, ein Dorn im Auge; um ſo tiefer wir aber dieſe ſogenannten„Junker“ auf der Stufenleiter menſchlicher Weſen zu ſtellen haben, um ſo mehr ſind wir jenen glänzenden Ausnahmen, den wahrhaft Adelichen, Anerkennung zu zollen ſchuldig. Daher möge auch der Name des Freiherrn(Ernſt Haubold) von Miltitz, dem wir es vielleicht allein verdanken, daß ſein Adoptivkind Fichte das werden konnte, was er der Nation war und iſt, bei den Deutſchen unvergeſſen ſein! Das Verdienſt, ein bedeutendes, viel⸗ verheißendes Talent zu erkennen, aus der Menge hervorzuziehen und für ſeine Entwickelung Sorge zu tragen, iſt ſo groß wie irgend ein anderes.“ Mit dieſen Worten dürfte wohl das Urtheil des gebildeten Theils der Nation zuſammenfallen.—
Fichte war faſt 7 Jahre älter als Dietrich von Miltitz, der Einfluß ſeiner deutſchen Geſinnung auf das offene Gemüth des ſpätern Generals mag daher nicht unbedeutend geweſen ſein***). Georg v. Miltitz, zu der Zeit ſpäterer Beſuche Fichte's auf Siebeneichen noch ein Knabe, erinnert ſich ſeiner noch lebhaft mit ſeinem gerötheten Angeſichte und ſeiner unterſetzten, martialiſchen Figur.
Wie zu jener culturgeſchichtlichen Begebenheit, ſo gab Ernſt Haubold’s frommer Sinn auch den Anſtoß zu einem nahen perſönlichen und brieflichen Verkehr mit Gellert, der öfter die Ferienzeit bei ſeinem Freund und Gönner in Oberau zubrachte und dort auf das Herz⸗ lichſte und Sorgſamſte gehegt und gepflegt wurde. Noch jetzt trägt ein tempelartiges Häuschen an den dortigen Höhen, wo der begeiſterte Sänger der Schöpfung und des Schöpfers häufig der ſchönen Ausſicht genoß, deſſen Namen. Seine zuerſt förmlichen, dann immer gemüthlichern Briefe an Ernſt Haubold, deren Originale ſich im Siebeneichener Archiv befinden, ſind durch Frau
*) Weinhold a. a. O. S. 87. **) Bl. f. lit. Unterh. 1862 Nr. 20.
***) Vergleiche Novalis' Nachſchrift zu ſeinem weiter unten folgenden zweiten Briefe an Dietrich v. Miltitz 1*


