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beerdigt“. Seinem frommen, thatkräftig⸗liebreichen Gemüthe entſprang ein Ereigniß, das für die Entwicklung deutſchen Geiſtes und deutſcher Wiſſenſchaft wichtig werden ſollte. Ich erzähle es dem Inhalte nach genau ſo, wie es mir ſein genannter Enkel Georg von Miltitz nach der Familien⸗ Ueberlieferung mündlich mittheilte, und ergänze nur Weniges, beſonders in Betreff der eingreifenden Mitwirkung der beiden edlen Geiſtlichen, nach Weinhold), der aus der beſten Quelle ſchöpfte.
Als einſt, an einem Sonntage, Ernſt Haubold ſeinen Schwager, den Grafen von Hoff⸗ mannsegg**) in Rammenau in der Oberlauſitz beſuchte und dort eine Predigt des als Kanzel⸗ redner berühmten Adam Gottlob Wagner hören wollte, war es zu ſpät zur Kirche geworden. Eine ſolche Verſäumniß galt dem gottesfürchtigen Manne dem Verluſte des Sonntags gleich, und als er in gemüthlicher Unterhaltung beim Mittagseſſen über ſein Mißgeſchick klagte, empfahl ihm der Schwager ſeinen Kuhjungen, der die Predigt von Anfang bis zu Ende ziemlich unverändert aus dem Gedächtniſſe wiedergeben würde. Ernſt Haubold ließ ihn kommen, der Knabe entſprach der Erwartung und erregte ſeines andächtigen Zuhörers lebhafte Theilnahme. Dieſer entriß ihn, nach erfolgten vortheilhaften Empfehlungen von Seiten des um ſeine erſte Bildung hochverdienten Pfarrers Wagner, ſeinen Kühen, nahm ihn zuerſt mit ſich nach ſeinem Schloſſe Siebeneichen(ein halbes Stündchen elbaufwärts von Meißen) und vertraute ihn darauf dem Prediger Gotthold Leberecht Krebel in dem(eine Stunde öſtlich von Meißen gelegenen) Dorfe Niederau zu Erziehung und Lehre. Hier verlebte der glückliche Schützling ſeine ſchönſten Jugendjahre und wurde durch die Nachwirkung ſeines Gönners, der ein halbes Jahr früher ſtarb, als der Knabe den Pfarrer Krebel verließ, auf der Fürſtenſchule zu Pforta und wahrſcheinlich auch noch auf der Univerſität unterſtützt, hauptſächlich wohl von der Familie Miltitz, dann auch von der Gräfin Hoffmannsegg und von dem Salinendirector von Hardenberg in Weißenfels, dem ſpäteren Vormunde Dietrich's und Vaters des Dichters Novalis. Ein Teſtament von Ernſt Haubold findet ſich zwar nirgend vor, allein höchſt wahrſcheinlich hat er vor ſeiner Abreiſe nach Italien mit ſeinem vertrauten Freunde, dem eben erwähnten biedern Hardenberg, der die Beſorgung der äußern Angelegenheiten der zurückgelaſſenen Familie Miltitz übernommen hatte, unter Mit⸗ wiſſen der Gattin des Abreiſenden, Alles beſprochen und beſtimmt. Es läßt ſich dies aus der ganzen Lage ſo wie aus den Charakteren ſchließen. Der Knabe hatte keine andre Hülfsquellen als die genannten, und beſuchte noch als Student und als Privatdocent Dietrich von Miltitz in Siebeneichen, der lange mit ihm befreundet blieb, ihn nie aus den Augen ließ und ſeiner eigenen ausdrücklichen Ausſage nach ſelbſt unterſtützte, ſeit er ſeine Güter angetreten hatte. Der frühere Kuhjunge bewahrte aber auch der Miltitziſchen Familie eine unauslöſchliche Dankbarkeit. Er hieß— Johann Gottlieb Fichte(geb. zu Rammenau den 19. Mai 1762). Auch ſeines Aufenthaltes bei dem frommen Predigerpaare in Niederau gedachte Fichte noch in ſeinen ſpätern Jahren mit Rührung und herzlichem Danke. Ein alter ehrwürdiger Schulmeiſter von Niederau, Namens Haſe, der übrigens nichts von dem kühnen Philoſophen und deſſen ſpätern Schickſalen gehört oder geleſen hatte, erzählte dem jetzigen Pfarrer Beer daſelbſt, dem Weinhold's berich⸗
*) Grenzboten 1862 Nr. 29.
**)„Damals noch Johann Albericus von Hoffmann, geh. Cabinetsaſſiſtenzrath. Erſt 1779 wurde er unter dem Namen Hoffmannsegg(er ſoll einen mit einer Egge verbundenen Pflug erfunden haben) in den Reichsgrafenſtand erhoben.“ Weinhold, a. a. O.


