Aufsatz 
Die Völckerische Lehr- und Erziehungsanstalt zu Gießen in einigen ihrer äußeren Einrichtungen : Einladungsschrift zu der Prüfung der Zöglinge am 16ten Sept. 1837 / von Karl Heinrich Wilhelm Völcker
Entstehung
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15 kommenheit ganz gleich ſteht. Das Ziel unſerer db⸗ ſtufungen iſt außerdem, wie wir zeigen werden, gan geiſt⸗ ger Natur, ohne ein ſolches äußeres Zeichen.

Was man ſouſt gewöhnlich gegen Ehrenbelohnungen ein⸗ zuwenden pflegt, ſcheint mir nach meinen Erfahrungen nicht von Gemicht. Seden ſie nur verſtändig eingerichtet, begrün⸗ den ſſe namentlich keine äußeren Vorzige und Begünſtigun⸗ gen in der Schülerwelt, werden ſe nicht einſeitig, vor Alem mit Gerechtigkeit und Unpartheilichteit vertheilt, ſo konmt von Neid und anderen Untugenden nichts auf, vielmehr die

Achtung der Mitſchuler wird ſcch durch ſich ſelbſt auf denſelben Gegenſtand wenden, der von Seiten der Lehrer auerkannt wurde. Und der empfangende Schüler wird eben⸗ falls keine falſche Nichtung nehmen, wenn gerade der Neid und andere Befrderungen von außen wegfallen, und der Lehrer das Uebrige zu thun weiß. Die Sache bietet aber noch eine allgemeinere Seite. Das Ehrgefthl iſt eine der cdelſten Trichfedern zum Guten uberhaupt, die zwar nicht in der Sache ſelbſt liegen, deren aber einmal nun un⸗ ſere ſchwache ſinnliche Natur bedarf. Jedenfalls hat es die Erziehung in den Kreis ihrer Wirkſamkeit zu führen, um ihm die rechte Richtung zu geben. Dieſes kann durch nichts ſicherer, als durch zweckhmäßige Anſtalten in der Schule geſchehen, welche die Ehre auf das wahre Berdienſt begründen, und eine ſalſche Ehre fruh da⸗ von zu unterſcheiden lehren. Solche Schülervethältniſſe wer⸗ den eine nakürliche Abſpiegelung und Vorbereitung auf die zukanfüigen Lebensumſtände; und das Kind, welches in der Jugend fuhlen kernte, daß die allgemeine Achtung dem wah⸗ ren Verdienſte folge, und welches gewöhnt wurde, es als eine Belohnung anzuſehen, zur Hebung und Beſſerung ſei⸗ ner Mitſchuler verwendet zu werden G. unten: ein ſolcher Schüler wird auch dereinſt den Staatsdienſt aus einem hoͤheren Geſichtspunkte betrachten, und