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Seit dem Jahre 1265 tritt Hessen wieder selbständig, ganz getrennt von Thüringen, auf, und da hören wir auch bald wieder von der hessischen Tapferkeit. Heinrich I. verpflichtet sich dem König Rudolf von Habsburg durch die Hilfe, welche er ihm gegen Ottokar von Böhmen leistet. Dann gilt es den Kampf gegen die kleinen adligen Herren, welche überall die Fürsten und die Städte bekämpfen, auch im Hessenland, wo besonders der Sternerbund mächtig ist, und indem sich die hessischen Fürsten von vornherein auf die Städte und das Landvolk stützen, thun sie damit das Ihre zu der Entwickelung Deutschlands, welche das neue deutsche Reich geschaffen hat.
Wirkliche Achtung der Zeitgenossen spricht sich Ludwig dem Ersten gegenüber aus, wenn bei der Kaiserwahl im Jahre 1440 zwei Stimmen auf ihn fallen, wenn ferner von ihm Aeneas Sylvius, der spätere Papst Pius II., sagt, dass er ihn als den einzigen Fürsten kenne, der in seinem Leben kein ungerechtes Urteil gefällt habe. Wenn Hessen auch die grosse Macht nicht besass, die Friedrich dem Dritten, auf den die Wahl wirklich fiel, seine östreichischen Erblande gewähren konnten, an Tüchtigkeit hätte es ihm nicht gefehlt, das kaiserliche Ansehen besser als Friedrich aufrecht zu erhalten; das beweist die heldenmütige Verteidigung von Neuss gegen Karl den Kühnen von Burgund, der den Verweser des Erzstifts Köln, den von uns schon ge- nannten Sohn Ludwigs I., Hermann, und dessen Bruder, den Landgrafen Heinrich III., elf Monate lang von 1474 auf 75 in dieser Stadt belagerte, 56 mal stürmte, 12000 Mann im Kampfe verlor und endlich unverrichteter Sache abziehen musste.
Die Freundschaft Wilhelms des Mittleren für den König Maximilian half diesen aus der Haft der Bürger von Brügge befreien, und in Ungarn kämpft er mit seinen Hessen an des Kaisers Seite. Er wirkt mit bei der Aufrichtung des ewigen Landfriedens auf dem Wormser Reichstag von 1495, und sein Sohn Philipp der Grossmütige ist unter den Fürsten, welche das Haupt der Partei im Reiche bezwingen, die im Landfrieden eine Schädigung des freien Ritters erblickt, der mit eigner Hand sich Recht, aber auch Macht und Besitz und Ansehen auf Kosten anderer zu verschaffen sucht. Franz von Sickingens Feste Landstuhl wird von ihm in Ge-— meinschaft mit dem Pfalzgrafen Ludwig und dem Kurfürsten von Trier im Jahre 1523 erobert, und damit ist dem Treiben der Stegreifritter der Todesstoss versetzt..
Als später der getäuschte Landgraf schon im fünften Jahre in kaiserlicher Gefangen- schaft schmachtet, da verbündet sich sein Sohn Wilhelm, der inzwischen die Regierung des Landes geführt, mit Moritz von Sachsen, und sie zwingen den Kaiser, der in der Freiheit der Fürsten auch die Freiheit des Landes bedroht, zur Bewilligung des Passauer Vertrags, der Philipp auch wieder die Freiheit gibt.
Um die Verteidigungskraft des Landes zu erhöhen, versuchte Moritz der Gelehrte eine Landwehr oder Landmiliz einzurichten, zu der jeder Waffenfähige vom 18. bis zum 45. Jahr gehören sollte, konnte jedoch, namentlich weil die Ritterschaft der Sache entgegen war, die Massregel nur teilweise zur Durchführung bringen. Die Prinzen des Hauses sollten diese Regimenter befehligen, und viele von ihnen haben sich als tüchtige Soldaten erwiesen. Moritz' Sohn Philipp fiel bei Lutter am Barenberge, wo er drei dänische Reiterregimenter kommandierte, Moritz, ein anderer Sohn, diente als Hauptmann unter Gustav Adolf, Friedrich kämpfte unter seinem Bruder Wilhelm V. und fiel im Kriege der Schweden gegen Polen.
Nach dem westfälischen Frieden trat zwar Hessen mit den drei rheinischen Kurfürsten, Pfalz-Neuburg, Münster und Braunschweig, sowie mit Frankreich und Schweden, als den Garantiemächten des westfälischen Friedens, zu der rheinischen Allianz zusammen; als aber Frank- reich das deutsche Reich zu bedrohen begann, da war Hessen unter den ersten Staaten, die dem Raàuber entgegentraten. Wilhelm VI., der Gerechte, seine Witwe Hedwig Sophie, die


