Aufsatz 
Die Bedeutung von Hessen für die Entwickelung Deutschlands : Festrede für den 22. März 1876 / gehalten von Oberlehrer Dr. Wittich
Entstehung
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und Gewandtheit, denn sie stellen Auserkorene an ihre Spitze, gehorchen den Vorgesetzten, kennen Reih' und Glied, richten sich nach den Umständen, verschieben wilden Angriff, teilen den Tag gut ein, sichern sich des Nachts durch einen Wall, zählen nicht auf das Glück, rechnen nur sicher auf die Tapferkeit, und, was sonst sehr selten und nur römischer Kriegszucht gegeben ist, sie verlassen sich mehr auf den Feldherrn als auf das Heer. Andere kann man zum Kampf, die Chatten zum Kriege ausziehen sehen. Und Rhnliches wollte wohl General Clinton von den in Amerika kämpfenden Hessen aussprechen, wenn er sagte: Während der englische Grenadier seinen Hut schwingt und Hurra ruft, streicht der hessische sich den Bart und greift den Feind an.

Eng verbunden mit der Vaterlandsliebe ist die selbstbewusste, niemals aber in sklavische Unterwürfigkeit ausartende Treue gegen den Fürsten, die das hessische Volk oft in schweren Zeiten bewiesen hat, in seiner Gesamtheit wie in einzelnen hervorragenden Beispielen. So erhebt sich, als Otto der Quade von Braunschweig, der Enkel Heinrichs des Eisernen, nach Ottos des Schützen im Jahre 1367 erfolgtem Tode auf einer Jagd in Beziehung auf seinen Grossvater sagt:Weren two Ogen tot, so queme ik ut all miner Not und wollt ein riker Först sin, gegen diese Rede Eckhardt von Röhrenfurth, indem er sagt:Herr, da behüte Euch der Teufel für, und Gott behüte uns unseren alten Herrn, ich weiss nähere Erben zum Land, als Ihr seid. Und alsbald reitet er zum Landgrafen nach Cassel und unterrichtet ihn- von der Gefahr, die ihm droht.

Wie treu schützt Eckbrecht von Grifte seinem Landgrafen, Heinrichs des Eisernen Nach- folger, die Feste Gudensberg! Selbst als die Landgrâfin Margarete ihn auffordert um des Friedens willen die Burg zu übergeben, weigert er sich, indem er antwortet:Gnädige Frau, hebt euch hinweg alsobald, oder ich werde auf euch einwerfen als auf den Feind, und käme mein gnädiger Herr selber, er sollte in dieser Not nicht herauf.

Und als Philipp der Grossmütige seinem getreuen Heinz von Lüder die Verteidigung der Feste Ziegenhain anvertraut hat, da wehrt sich dieser aufs tapferste und mit dem besten Erfolg gegen die Scharen des Kaisers; und da ihn sein gefangener Landgraf selbst auffordern lässt die Feste zu übergeben, da antwortet er dem kaiserlichen Befehlshaber Reinhard von Solms:Der freie Landgraf hat mir diese Feste übergeben, und dem freien Landgrafen werde ich sie auch nur wieder überantworten.

Solche Treue weiss aber auch der Fürst gebührend zu belohnen. Da ihm der Kaiser geboten hat den Widerspenstigen unter dem Thore der Festung an einer Kette aufzuhängen, lässt ihn Philipp bei seiner Rückkunft an einer goldenen unter den Armen hergelegten Kette unter dem Thore von Ziegenhain einige Fuss in die Höôhe ziehen und schenkt ihm dann die Kette zum Zeichen seiner Dankbarkeit.

Wie das ganze Volk diesem Fürsten treu anhängt, das spricht ein kaiserlicher Kom- missar in einem Bericht an seinen Herrn aus, wenn er sagt, nie würde man den Landgrafen haben besiegen können, wenn derselbe in seinem Lande geblieben, so kriegerisch tapfer sei das Volk, unter dem keiner wäre, der nicht seinen Kopf für seinen Fürsten gäbe. ja, es trüge das Land die Sehnsucht nach seinem Fürsten nicht länger. Kein Sohn könne so seinen Vater, kein Weib so ihres Mannes Tod beweinen, als diese Menschen ihres Herrn Unglück betrauerten.

Und was war es, das im Jahre 1800 einen Freiherrn von Dörnberg, einen Obersten Emmerich, Leutnant von Hasserode, Professor Sternberg und viele brave Hessen mit ihnen begeisterte einen verwegenen, wenn auch planlosen Versuch zur Abschüttelung des Joches der Fremdherrschaft zu machen, was anders als die Vaterlandsliebe und Treue und der blinde Mut