Aufsatz 
Untersuchungen auf dem Gebiete der deutschen Urgeschichte / ... Jacobi
Entstehung
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wir eingestehen, dass in jedem andern Falle diese Gründe vollkommen hinreichen wür- den, die oben erwähnte Ansicht über allen Zweifel zu erheben.

In diesem Falle aber streitet Cäsar selbst, aus dessen Schrift de b. G. doch jene Gründe gröstentheils entnommen sind, gegen eine solche Annahme, zwar nicht mit aus- drüklichen Worten, aber doch durch den ganzen Inhalt seines Berichtes über den Krieg mit Ariovist und durch vieles Andere, was er sonst in Beziehung auf die Germanen sagt und thut.

Ich will kein Gewicht darauf legen, dass es mit dem ganzen Verhalten, welches Cäsar sonst den Germanen gegenüber befolgt, mit seinem Verfahren gegen die Tenchte- rer ¹)y wie gegen Ariovist selbst ²), mit seinen Expeditionen gegen die Sueven ³) und mit seiner Furcht vor den Angriffen der Germanen auf Gallien) gar nicht übereinstimmen will, wenn er deutsche Völkerschaften, die noch eben gegen ihn gekämpft, von deren Stam- mesgenossen er für seine Herrschaft in Gallien Alles zu fürchten hatte, ruhig am linken Rheinufer wohnen lässt, wo sie ihren Landsleuten bei günstiger Gelegenheit als Stütz- punkt in ihren Unternehmungen dienen konnten, jedenfalls aber ihnen den Zugang nach Gallien offen erhielten. Wenigstens sollte man meinen, wenn er dies dennoch gethan hätte, so würde ihm die Sache wichtig genug gewesen sein, um ihrer mit einigen Wor- ten zu erwähnen, was er nicht thut. Aber Cäsar spricht unh handelt nach dem Siege über Ariovist so, als wenn er von dem Zurückbleiben deutscher Völkerschaften in Gal- lien auch durchaus keine Ahnung hätte. Er erzählt den Kampf mit Ariovist und die Verfolgung desselben in einer Weise, dass man annehmen muss, er selbst habe mit der Besiegung und Vertreibung dieses Gegners auch alle Germanen vernichtet oder aus Gallien vertrieben, und den ganzen Krieg für abgethan gehalten 5). Nach Allem, was wir bei Cäsar lesen, muss dieser bei seiner Verfolgung der Deutschen den Rhein nicht

1) Caes. A. a. 0. IV, 5 15. ²) I, 34 fl. 3) IV, 17 ff. VI, 9 ff.

¹) I., 33. paulatim autem consuescere Germanos Rhenum transire e. c. t. populo Romano periculosum videbat vergl. IV, 5 u. 16 im Anfang.

) Caes. I, 53 u. 54. 1