2
allen weiteren Eroberungen und beſchränkten ſich allein auf Bewahrung und Sicher⸗ ung ihrer Beſizungen.— Rhein und Donau wurden, wo ſie nicht ſchon überſchritten waren, die nicht mehr zu überſchreitenden, feſten Grenzſcheiden zwiſchen der Römiſchen und der Germaniſchen Welt; alle Kriegsunternehmungen über dieſe Flüſſe hinaus wurden als unnütz und gefährlich ſorgfältig vermieden. Je ſtrenger man an dieſen Grundſätzen feſthielt, und je beſſer man ſeit dieſer Zeit die Grenzen verwahrte, deſto geringeres Gewicht erhielt die Abhängigkeit einiger deutſchen Völker jenſeit dieſer Grenzen, und deſto weniger vermochte man auch dieſe Abhängigkeit ſelbſt aufrecht zu erhalten. Die Sueviſchen Völker wurden daher mehr und mehr ſich ſelbſt über— laſſen und weniger ſtreng beaufſichtigt; es ſchien ſchon hinreichend, wenn die Kaiſer durch Geld und andere Geſchenke ſie an ſich zu feſſeln ſuchten und dann und wann auch wohl die rathenden Vermittler bei ihren Streitigkeiten ſpielten. So löſte ſich das Band, welches dieſe Völker an Rom knüpfte, immer mehr, bis endlich von der Römiſchen Herrſchaft nichts als der leere Schein übrig war. Unterdeſſen waren mit den Donaubölkern ſelbſt große Veraͤnderungen vorge⸗ gangen. Ein langer, ungeſtörter Frieden hatte ihre Kraft erhöht, ihre Volkszahl vermehrt, ſo daß ihnen die Grenzen ihres Landes zu eng wurden. Um ſo drückender mußten ihnen die Schranken erſcheinen, mit welchen Rom ſie umgeben hatte; denn wohin ſie nur blickten, vorn, rechts und links, ſahen ſie Römiſches Gebiet und Römi, ſche Grenzwehren. Rom war dieſen Völkern überall im Wege; Rom ſtand drohend im Angeſicht wie zu beiden Seiten; Rom hatte das Land inne, das ſie begehrten und bedurften. Alle ihre Gedanken und Wünſche mußten daher eine für Rom gefährliche Richtung nehmen. Feindliche Thaten konnten nicht lange ausbleiben. Den Römern blieb jedoch dieſe feindliche Stimmung verborgen; in ſtolzer Sicher⸗ heit ſahen ſie die drohende Gefahr nicht, bis dieſe über ihre Häupter hereinbrach.
S. 2. Die kämpfenden Völker, Markomannen⸗ und Wiktofalen⸗Bund.
Alle Geſchichtſchreiber dieſer Zeit ſchildern den Markomannenkrieg als einen der furchtbarſten und gefährlichſten, den Rom je beſtanden habe. Der eine vergleicht dieſen Krieg mit den Puniſchen ¹), ein anderer ſtellt ihn über alle Kriege in der
¹) Eutrop. Brev. VIII. 6.


