Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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von den Gedanken und Reden«(Ueberweg, Grundr. der Gesch. der Philos., S. 192) uaud von dem, was zu jener Lehre gehört, im Auge hat. Deutlicher noch zeigt sich dies bei Seneca, der bei seiner Dreiteilung der philosophischen Disciplinen die Lehre von dem auf vernunft- mässigem Denken beruhenden Reden(.o*ενν nur durch philosophia rationalis zu über- setzen weiss, obgleich er bei Besprechung ihrer Aufgabe das Stammwort ratio nicht verwendet, sondern vielmehr deutlich zeigt, dass er in diesem Falle sich als Bedeutung von 16 nicht ratio, sondern verbum denkt. 75) Noch deutlicher geht dies aus dem Folgenden hervor, wo Seneca die Unterteile dieser philosophia rationalis angiebt; denn da giebt er den Haupt- begriff(à.6νοο) mit oratio wieder, während er zur Erklärung beider Unterabteilungen derselben sich mit verbum behilft. 7⁰6) Diese indirecten Erklärungen von Xo*νισκ⁹ zeigen, dass er wohl die Bedeutung von Xo*νιαα⁶ als auf Grund vernünftigen Denkens»sich redend äussernd« fühlt, aber durch ein Adjectiv wiederzugeben nicht die Lust oder den Mut hat, was Tertullian mit ser- monalis that. 4

Zum Schlusse sei nur noch darauf hingewiesen, dass bei der engen Verwandtschaft der Endungen alis, aris und arius anzunehmen ist, dass Tertullian's sermonalis sich, wenn auch unter andrer Gestalt, vielleicht noch erhalten hat in dem französischen sermonnaire, welches in seiner adjectivischen Bedeutung"zur geistlichen Rede gehörig« auf ein Adjectiv sermonarius und durch dieses auf sermonalis ebenso zurückgeführt werden kann, wie das französische collé- gial und das englische collegial zwar zunächst auf das inschriftliche collegialis(Gruter. Inscr. 322, 4) zurückweisen, aber in der tertullianischen Neubildung collegiarius(Spect. 11: de collegiariis ministris) ihr schriftstellerisches und nach lateinischen Bildungsgesetzen berechtigteres Analogon aufweisen. 2

4. und 5. r ve*⁶ν und roô êrir(bez. Svuαα und αιενιμμμιναιαε).

Wenn Tertullian der platonischen Zweiteilung der Seele in eine vernünftige und unvernünftige nur insofern beizustimmen vermochte, als er nur jene als von Natur bestehend anerkannte, diese dagegen für ein späteres Accidens derselben hielt, so wollte er auch der platonischen Zweiteilung der unvernünftigen Seele in eine leidenschaftliche und begehrende nur dann beipflichten, wenn nicht jede Leidenschaft und Begehrung als vernunftwidrig schlechthin bezeichnet würde.»Wenn aber Plato, für Gott allein das rationale ausscheidend, aus dem irra- tionale durch Unterabteilungen noch zwei Arten gewinnt, das leidenschaftlich Erregte und das eifrig Begehrende, so dass wir jenes(nur) mit Löwen, dieses(nur) mit Mücken, und(nur) das rationale mit Gott gemein hätten: so sehe ich, dass ich auch darüber handeln muss wegen dessen, was man(in dieser Beziehung) bei Christus antrifft.« ⁷⁷) Denn fiele jede leidenschaft-

15) Ep. 89, 9: Philosophiae tres partes esse dixerunt et maximi et plurimi auctores: moralem, natu- ralem, rationalem. Tertia proprietates verborum exigit et structuram et argumentationes, ne pro vero falsa subrepant.

7⁶) Ep. 89, 17: Superest ut rationalem partem philosophiae dividam: omnis oratio aut continua est aut inter respondentem et interrogantem discissa. hanc diννᷣενεεακν, illam Snτοιν⁵ν placuit vocari: Snrτoptrn verba curat et sensus et ordinem. dtαƷοαειntn in duas partes dividitur, in verba et significationes, i. e. in res quae dicuntur et vocabula quibus dicuntur.

71) An. 16: Proinde cum Plato soli deo segregans rationale, duo genera subdividit(NB.) ex irratio- nali, indignativum, quod appellant Sullνν et concupiscentivum, quod appellant&eιεν νν ut illud quidem commune sit nobis et leonibus, istud vero cum muscis, rationale porro cum deo: Video et de hoc mihi esse retractandum propter ea quae in Christo deprehenduntur.