Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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stischen Gegnern von sich in den Mund legt.*) Sonst gebraucht Tertullian verbum für Christus als den Xyos nur noch einmal, und zwar den Heiden des Apologeticus gegenüber,*¹) qort aber mit so offenbarer Anlehnung an das Vorausgehende, welches die von Christus durch sein Wort vollbrachten Heilsthaten aufzählt, dass auch aus dieser Stelle hervorgeht, dass verbum nicht die entsprechende Uebertragung von X6νε im christlichen Sinne gewesen sein kann und dort nur gewählt wurde, um den Heiden an der Thätigkeit Christi durch das Wort die Bedeutung Christi als des Wortes äusserlich klar zu machen. Da es überdies dort das von Audern vernommene(vox) und das auf Andere wirkende Wort(oratio) zugleich ist, so ist offenbar, dass dann von deus verbalis sich dasselbe hätte sagen lassen, was ich als mutmasslichen Einwurf der Gegner schon oben bei vocalis(bez. oratorius) angegeben habe. So bleibt dem Tertullian, um zu sagen, dass Gott von Anfang an nicht redend überhaupt, an und für sich Worte äussernd gewesen sei, nur sermonalis übrig, und zwar einesteils, weil sermo, wie aus Tertullian's eigenen Worten hervorgeht, in dem Sprachschatz der rechtgläubigen lateinischen Kirchen nun einmal als Uebersetzung des johanneischen 16ο8 feststand und als terminus für den weltschaffenden 16*8 festgehalten ward, andernteils weil sich mit der besonderen Bedeutung von sermo(Unterredung) am besten die Theorie Tertullian's von dem im Denkenden, d. h. seine Vernunft Gebrauchenden vor sich gehenden Selbstgespräch vereinigen liess, so dass er nun einerseits sagen konnte: Gott war von Anfang an nicht sermonalis, insofern man fälschlicherweise unter sermo nur die laute Rede, d. h. nur das aus Gott hervorgegangene weltschaffende Wort Gottes(Gen. 1, 3) versteht(vergl. Prax. 6 u. 7), während er andererseits doch auch behaupten konnte, Gott war von Anfang an Xoyενε, insofern er als Vernunftbesitzender auch ein solcher war, dessen vernunftmässiges Denken sich in stillem Selbstgespräch bewegte. ¹²)

Es erübrigt nun noch darauf hinzuweisen, dass wohl auch die Lateiner vor Tertullian diese doppelte Bedeutung von Xortzıs empfunden, aber sprachlich nicht zum Ausdruck gebracht haben. Ich verweise zum Beweis hierfür nur auf Cicero, der bald den griechischen Aus- druck beibehält, ⁷³) bald ihn latinisiert, ²⁴) wenn er die stoische»Lehre von den X6οο⁸, d. h.

70) Carn. Chr. 18: Quoniam, inquiunt, verbum caro factum est(loh. 1, 14: Kol 5 16 έ 8 ε ν˙ε τ. Ib. 21: Si ergo contendunt hoc competisse novitati ut quemadmodum non ex viri semine, ita ex virginis carne caro fieret dei verbum.

*¹) Apol. 21: cum ille verbo daemonia(FW.) de hominibus excuteret, etc., mortuos denique verbo redderet vitae, ostendens se esse X⁶ον dei i. e. verbum illud primordiale(NB.) primogenitum, virtute et ratione comitatum et spiritu fultum eundem qui verbo omnia et faceret et fecisset.

*²) Der besondere technologische Gebrauch von oratio mag es mit sich gebracht haben, dass dieses für die in Rede stehende blosse Fähigkeit einer Gedankendarstellung durch Worte späterhin wenig oder wenigstens nicht ausschliesslich mehr gebraucht worden zu sein scheint. So gebraucht Quin- tilian Inst. or. 2, 16, 11 ff.(dicendi facultas und) sermo in demselben Sinne und in derselben Zusammen- stellung mit ratio, wie Cicero Brut. 35 dafür noch oratio gebrauchen konnte in dem Satze: Universi generis humani vinculum est ratio et oratio... ferae sunt rationis et orationis expertes. Für Quintilian vergl. oben (A. 52) die eine der beiden Stellen; die andre lautet(12): hominem separavit a ceteris animalibus dicendi facultate; doch gebraucht er in demselben Sinne(17) auch vox und oratio. Für die zeitliche Priorität der ratio im Vergleich zur Rede vergl.§ 15.

¹³) De Fin. I, 7, 22: Jam in altera philosophiae parte, quae est quaerendi ac disserendi, quae Xoytvn dicitur, iste vester plane, ut mihi quidem videtur, inermis ac nudus est. De Fat. 1 ist X. ratio disserendi.

7⁴) Tusc. IV, 14, 33: Habes ea quae de perturbationibus enucleate disputant Stoici: quae logica appel- lant, quia disseruntur subtilius.