Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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von dieser Neubildung aus gebraucht er für die von Psammetich zur Erforschung des ersten Volkes der Welt ausgesetzten und in Bezug auf ihr erstes Wort überwachten Kinder(vergl. Herod. II, 2) die Weiterbildung linguatulus. 6s) Aber wenn De An. 3 lingualus mehr unserm»zungenfertig« entspricht, wie aus dem folgenden Satze(mit facundia) hervor- geht, so bezeichnet Ad Nat. 1, 8 linguatulus zunächst nur»mit Zunge versehen, zungen- begabt(und darum allerdings sprechfähig)« im Gegensatze zu der Amme der Kinder, von der im Vorausgehenden gesagt wird, dass Psammetich sie ihrer Zunge beraubt habe(elinguaverat = dem herodot. rhv³οσοσνσν εxατ⁴αιν), was Tertullian im Folgenden umschreibend andeutet durch die Worte:»tali membro desecto, vastato ipsius animae organo, lingua stupente, während er die Philomele non linguqe caede, sed pudoris rubore muta nennt. Es bleiben noch zwei lateinische Ausdrücke übrig, an die sich Tertullian als eventuelle Vertreter von 16% hätte halten können: vor und verbum. Zu jenem gab es zwar das Aqjectivum vocalis»sich hören lassend«, aber dies war bereits in so allgemeinem Sinne, in Beziehung auf so verschiedene Laute und auf so verschiedene sich lautlich Aeussernde gebrancht worden, dass Tertullian trotz des auch ciceronianischen Gebrauches von vox für Wort und des poetisch-nachklassischen für sermo sich desselben nicht bedienen konnte, als Gegensatz gerade zu rationalis. Denn dass er sonst vox selbst mit sermo gleichsetzt, geht u. a. aus dem fünften Capitel der Schrift De Res. Carn. hervor; dort sagt er nämlich: wie alles durch das Wort Gottes(sermone dei) gemacht ist, so der Form halber, damit nichts ohne das Wort (sine sermone) gemacht sei, auch der Mensch(Gen. 1, 26); dieser aber ist als künftiger Herr der Welt vorzugshalber auch noch durch Gottes Hand bereitet(Gen. 2, 7), um ihn auch bezüglich seiner Eutstehung nicht gleichzusetzen mit den übrigen Geschöpfen, die als ihm dienende nur auf das Geheiss und Gebot Gottes hin und durch seinen Machtspruch ¹d) allein hervorgegangen sind. Ueberdies würde er mit Anwendung von vocalis als»lautlich sich äussernd einmal nichts Wesentliches gegen die Gegner vorgebracht haben, wenn er gesagt hätte: Gott war von Anfang nicht vocalis, da ja klar war, dass Gott erst mit Gen. 1, 3 so genannt werden konnte, andererseits würde er, wenn er in jenem Satze dieses Wort für Xο6 an- gewendet hätte, ja auch wie seine Gegner einen zeitlich bestimmten Aufang des àG gesetzt haben. Tertullian hätte nur noch auf verbum recurrieren und sich für Xoytzg entweder des bereits bestehenden verbosus bedienen oder das vielleicht noch nicht gebildete verbalis bilden und als Verhältnisbestimmung Gottes in Bezug auf den Aöys verwerten können. An der Verwendung jenes aber hinderte ihn die besondre, dem was er sagen wollte, nicht ent- sprechende und auf jeden Fall auch mit tadelnder Nebenbeziehung verbundene Bedeutung des- selben; von der Einführung dieses scheint ihn noch ein besondrer Grund abgehalten zu haben. Wenn man nämlich die elf directen und siebzehn indirecten Citate von Joh. 1, 1 3 und 14, wie sie Rönsch in seinem Neuen Testamente Tertullian's auf S. 250 ff. so über- sichtlich zusammengestellt hat, auf ihren Wortlaut hin genau durchgeht, so wird man finden, dass Tertullian sich für das johanneische 26 nur zweimal der Uebersetzung verbum bedient, beide Male aber nicht in selbständigen Citaten, sondern in solchen, die er doketi-

6s) Nat. 1, 8: id fors tune infantes, quia unicum, facilius commentati, paulo modulatius, utpote linguatuli inventum alicujus interpretationis impegerint.

³⁵) R. C. 5: Merito igitur ut famula jussu et imperio et sola vocali potestate universa processerant.