Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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liche Erregung, jedes aufwallende Begehren unter den Gesichtspunkt des Unvernünftigen, so müssten wir unserm Gott das Unvernünftige ebenso zuprechen, wie wir es Christo nicht absprechen könnten, da von beiden die heiligen Schriften uns Aeusserungen der Erregung und Begehrung berichten. Aber wie der Unwille Gottes gegen den Bösen, seine Lust am Wohle des Guten durch den Begriff seiner bonitas, die eine Wesensbestimmung von ihm ist, geforders und in ihrem Verlaufe bestimmt werden(vgl. oben A. 56 und 57), so müssten auch bei seinem Sohne die Entrüstung über das Gebaren der Schriftgelehrten und Pharisäer, das dringende Verlangen, mit seinen Jüngern das Osterlamm zu essen, als in seinem Wesen begründet und in einer seiner Wesensbestimmung entsprechenden Weise(rationaliter) verlaufen gedacht werden.*) Dürfen wir aber das bei dem Urbild der Menschheit und bei dem Urheber derselben varaussetzen, so werden wir auch trotz Plato doch noch Gemeinschaft mit und an Gott haben und nicht sofort dem Fluch des irrationale verfallen, wenn uns einmal eine sittlich gerechtfertigte Entrüstung oder ein durch religiöse Motive gewecktes Begehren ankommt. ⁷⁹)(Vgl. auch S. 59 f. meiner R P T.).

Wie aus den Aumerkungen ersichtlich, bezeichnet also Tertullian das Sputzdv durch indignativum, das èxiι⁸νμπτνν durch concupiscentirum. Da beides Neubildungen sind, tritt auch hier an uns die Frage heran, ob nicht die beiden griechischen Begriffe schon vor Tertullian von Lateinern in einer Weise besprochen bez. ins Lateinische übertragen worden seien, die ihm als genügend und weiter verwendbar hätten erscheinen können. Ich vermag vorderhand nur Gicero als denjenigen Lateiner anzuführen, der, wie die platonische Zweiteilung der Seele überhaupt, so auch die des unvernünftigen Teiles derselben bespricht. Ich greife aus seinen Besprechungen erst solche heraus, in denen er vonler platonischen Zweiteilung der Seele überhaupt zu sprechen scheint. Es sind dies zunächst zwei Stellen aus De Off. In der einen derselben bestimmt er das Wesen der Seele als ein doppeltes, indem er dem vernünftigen Teile derselben, welcher angiebt und darlegt, was zu thun oder zu lassen sei, einen andern gegenüber stellt, der in dem Triebe oder heftigen Verlangen besteht, welches den Menschen bald dahin bald dorthiu reisst. 8⁰) In der andern Stelle bezeichnet er die Bewegung der Seele als eine doppelte, nämlich die des Denkens und die des Begehrens; der Gedanke bewegt sich in der Erforschung der Wahrheit, der Trieb treibt an zum Handeln, weshalb zu sorgen sei, dass wir uns des Denkens zu den besten Thaten bedienen, das Begehren aber der Vernunft unterthan machen. ³¹) Aus beiden Stellen geht im Vergleich zu dem, was hier schon aus Ciceero über die platonische Zweiteilung der Seele vorgetragen worden ist, hervor,

*s) An. 16: Ecce enim tota haec trinitas(NB.) et in domino, et rationale, et indignativum, quo invehitur in scribas et pharisaeos(FW.) et concupiscentivum quo pascha(FW.) cum discipulis suis edere ooncupiscit. FW.= Fremdwort, zuerst von Tertullian gebraucht.

) An. 16: Igitur apud nos non semper ex irrationali censenda sunt indignativum et concupiscen- tivum, etc.

*0) Off. 1, 28, 101: una pars in appetitu posita est quae est ôgνν Graece, quae hominem huc et illuc rapit, altera in ratione quae docet et explanat quid faciendum fugiendumve sit. Ita fit ut ratio praesit, appe- titus obtemperet.

³1¹) Off. 1, 36, 132: Motus autem animorum quplices sunt, alteri cogitationis, alteri appetitus. Cogitatio in vero exquirendo maxime versatur, appetitus impellit ad agendum. Curandum est igitur ut cogitatione ad res quam optimas utamur, appetitum rationi oboedientem praebeamus.