Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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als des planmässig verfahrenden Weltbildners(factitator) qui cuncta in dispositione formaverit) oder des das Weltall durchdringenden Geistes(permeator ⁶s) universitatis spiritus) erinnert. So sei auch bei den Christen der à6ο8, d. h. Rede(Wort), und Vernunft wesentlich bei der Schöpfung beteiligt gewesen, insofern nämlich durch jene der Schöpfergedanke Gottes ausgesprochen, durch diese überhaupt erst gefasst wurde, während die göttliche Kraft das Gedachte und Ausgesprochene zur Ausführung brachte. In ihrer Zusammenfassung bilden diese drei eine geistige Wesenheit, die aus Gott hervorgebracht und daher auch gezeugt, deswegen Sohn Gottes, ja wegen der substantiellen Einheit mit Gott selbst Gott genannt wurde. 54) Auf diese Doppeldeutigkeit von X6% kommt Tertullian in der gegen den Monarchianer Praxeas gerichteten Schrift zurück. Im fünften Capitel derselben bekämpft er eine monarchianische Richtung, welche sagte, die Genesis finge im Hebräischen so an:»Im Anfang machte sich Gott den Sohn.« Da Tertullian ihnen das Gegenteil, wie es scheint nicht auf Grund urtextlicher Forschung zu beweisen ver- mag, ergreift er ein anderes Beweismittel, nämlich die Verfassung des göttlichen Wesens vor der Weltschöpfung und sagt: Ehe Alles war, war Gott allein; doch insofern nicht allein, als er mit sich, weil in sich seine Vernunft(ratio) hatte; dieses aber, nicht nur weil Gott der Vernünftige uντ* εoxiv ist, sondern auch, weil die Empfindung seiner selbst(sensus ipsius), die dem lebendigen Gott nicht fehlen konnte, mit dem Wissen von sich selbst, der ratio, sich deckt(vergl. R P T. S. 54 ff.). Weil nun 16₰⸗, der griechische Ausdruck für ratio, im Lateinischen zugleich auch durch sermo wiedergegeben werden könne, hätte man sich in christlichen Kreisen des einfacheren Verständnisses halber daran gewöhnt zu sagen, das Wort (ermonem) wäre anfangs bei Gott gewesen, während es richtiger sei, dies von der Vernunft zu glauben, da Gott nicht von Anfang an als redend, Worte äussernd(sermonalis) dargestellt werde(Beziehung auf Gen. 1, 1 f.), wohl aber als denkend, Gedanken hegend (rationalis) auch vor dem Anfang zu betrachten sei. 65) Uebersetzt man also X6‚ο% zunächst durch ratio was auch psychologisch richtiger, da das Wort auf dem vernünftigen Denken basiert(sermo ratione consistens) und dieses als seinen stofflichen Untergrund aufweist(substantiam suam ostendit) so erhellt, dass Gott nicht im Anfang den Sohn, d. i. den à6+₰ο sich gemacht

*²) Factitator tritt hier gerade so zum ersten Male auf, wie opife atque aedificator mundi bei Gicero N. D. 1, 8, 18. Dass Tertullian, wenn er auch von dem Weltbildner der Stoiker redet, bei obiger Neubildung die Stelle aus GCicero, der von Plato's nιμαιουσ⁸ redet, in Gedanken hatte, geht aus Apol. 46 hervor, wo er sagt: licet Plato affirmet factitatorem universitatis neque inveniri facilem et inventum enarrari in omnes facilem. Factitator wird von Tertullian auch in Bezug auf den Demiurgus Valentin's gebraucht, worüber, wie über andre Gebrauchsweisen des Wortes, erst später gehandelt werden soll.

63) Permeator ist eine Neubildung, zu welcher als Erklärung zu vergleichen ist Herm. 44: Stoici enim volunt deum sic per materiam decucurrisse, quomodo mel per favos.

) Apol. 21: Jam ediximus deum universitatem hanc mundi verbo et ratione et virtute molitum. Apud vestros quoque sapientes X6₰ν i. e. sermonem atque rationem constat artificem videri universitatis.

Et nos etiam sermoni atque rationi itemque virtuti propriam substantiam spiritum adscribimus, cui et sermo insit pronuntianti et ratio adsit disponenti et virtus praesit praeficienti. Etc. 65) Prax. 5: quae ratio sensus ipsius est. Hanc Graeci ½6†νο dicunt, quo vocabulo etiam ser-

monem appellamus. Ideoque jam in usu est nostrorum per simplicitatem interpretationis sermonem dicere in primordio apud deum fuisse, cum magis competat rationem antiquiorem haberi, quia non sermonalis a principio, sed rationalis deus etiam ante principium, etc.