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als schon verhältnismässig früh bezeugt übergehen zu können glaubte. Dass aber einmal rationabilis in Tertullian's Gedankenkreis sich sehr wohl einreiht, habe ich in meiner R P T. (S. 59) wahrscheinlich zu machen gesucht; dass ferner rationabilis im Lateinischen existiert haben kann, zeigt seine Erhaltung im Wörterschatze der romanischen Sprachen(ich erinnere nur an raisonnable; reasonable mit seinen Ableitungen; ragionevole u. s. w.), für welche bezüglich der Verbindung des»Suffixes b-ilis« auch mit Substantiven der Meister der romanischen Sprachforschung geradezu auf das lateinische rationabilis recurriert; 5³) dass endlich Tertullian auch rationabilis gekannt haben wird, geht aus den Weiterbildungen hervor, die bei ihm als sicher bezeugt von diesem Worte vorkommen.
Wenn nun nach dem Obigen erst Tertullian der erste Gewährsmann würe für Nie Ver- bindung eines Substantivs auf io(n) mit dem Suffix a-h-ilis, so würden wir hiermit zum ersten- male in unsrer Untersuchung einer Bildung begegnen, bezüglich deren Tertullian allerdings die bis dahin gezognen Schranken durchbrochen und mit der er den roma- nischen Sprachen einen neuen Bildungsgrundsatz an die Hand gegeben hätte. Und in der That findet sich bei ihm ausser solchen von ratio abgeleiteten Bildungen von conditio noch conditionabilis, 54) welches ebenso neben dem gleichfalls bei ihm erst auftretenden und
öfter gebrauchten conditionalis steht(comminatio mit Beziehung auf Jes. 1, 7= bedingungs- weise ausgesprochen, Scorp. 8 minae mit Beziehung auf Dan. 3, 16= desgl.; conditionalis eram Idoc. 12= ich stand in Condition, in Diensten mit Bezug auf Matth. 6, 24), wie das
anzunehmende»rationabilis« neben»rationalis«. So findet sich bei ihm auch von andern Sub- stantivstämmen als denen auf io(n) mit dem Suffix a-h-ilis noch ineffigiabilis(anima, An. 24) neben ineffigiatus(anima, An. 9= Ael⁹⁷§), sowie incorporabilis(habitus, Marc. 3, 17) neben dem oft gebrauchten incorporalis, für welches letztere ebenfalls Seneca der erste Ge- währsmann ist; ganz zu schweigen von dem schon bei Quintilian vorkommenden favorabilis, welches von Diez a. a. O. ebenfalls citiert, sich auch bei Tertullian(u. a. R. C. 4) findet. Die Bildung incorporabilis zeigt, dass Formen wie»„rationabilis und favorabilis« vielleicht nur deshalb als von Substantiven abgeleitet betrachtet werden, weil man die betreffenden Verba im Lateinischen nicht mehr aufzuweisen vermag. Denn, dass es corporare gegeben hat, belegt uns das klassische Beispiel Cicero's; dass man schon vor Tertullian Zusammensetzungen mit corporare kannte, wird durch Plinius' concorporare belegt. Aber auf diese und ähnliche Com- posita braucht man bei incorporabilis noch gar keine Rücksicht zu nehmen! In-corpora-bilis ist aus corporare nicht schlechter gebildet als Cicero's in-aestima-bilis aus aestimare, aus welchem letzteren derselbe Cicero eben erst aestima-bilis gebildet hatte(Fin. III, 6, 20). Wie, wenn es nun zu ratio neben dem ciceronianischen ratiocinari ebenso noch ein rationari gegeben hätte, wie Gellius sagt, dass es neben dem ciceronianischen sermocinari ein wenn auch seltener und vulgär gebrauchtes, aber besser gebautes sermonari gab? dann würde die Bildung rationabilis sofort von ihrer Härte verlieren und mindestens als eine lateinischen Bildungsgesetzen entsprechende erscheinen. Dass die Möglichkeit von der Existenz eines rationari nicht aus- geschlossen werden kann, scheint mir aus dem Provenzalischen hervorzugehen, wo neben dem
5) Diez, Grammatik der Romanischen Sprachen II, 2², S. 306 unten.
54) Scorp. 9: Quamquam et si omnem hanc persecutionem conditionabilem in solos tunc apostolos destinasset(mit Beziehung auf Matth. 5, 11).


