Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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gesetzte A6ν 1½ov und dxνο* denkt, übersetzt er jenes in dieser und der dritten Stelle (Tusc. 4, 5, 10) durch rationis particeps, dieses durch rationis expers. ⁴⁸) Tertullian dagegen übersetzt nur im Anfange seiner Darstellung rein adjectivisch, indem er noch, wie aus dem Citat (47) ersichtlich, die Beziehung auf anima festhält; in der ganzen folgenden Entwicklung dagegen bedient er sich nur der Ausdrücke rationale und irrationale, indem er dem platonischen Sprachgebrauche entsprechend das Neutrum des Adjectivs substantiviert, während man bei Cicero auch in der 3. Stelle, wie aus dem Gegensatze»in illa altera« hervorgeht, zu dem Ausdrucke in participe rationis« parte hinzuzudenken hat, so dass Cicero auch in dieser Beziehung nicht zu einer wortgetreuen Uebersetzung des platonischen terminus gelangt ist. 4) Da ich bezüglich der speciell tertullianischen Auffassung des rationale und irrationale in dem 16. Capitel der Schrift De An. auf S. 59, al. 4 meiner R P T. verweisen kann, so erlaube ich mir sogleich auf die damit zusammenhängenden sprachlichen Erscheinungen einzugehen.

Der erste Gewährsmann für rationalis und irrationalis scheint Seneca zu sein, der in seinem 71. Briefe offenbar eine Reminiscenz an die platonisch-ciceronianische Zweiteilung der Seele vorbringt, 5⁰) aber sich auch sonst dieser Ausdrücke, namentlich in Verbindung mit animal, bedient, wie es Tertullian u. a. auch thut. Ihm zunächst würde Quintilian stehen, der aber, von einem griechischen Redner und Zeitgenossen Cicero's sprechend, sich doch noch, trotz des ermutigenden Vorganges von Seneca, veranlasst sieht, sein rationalis durch das nachfolgende Xo†ινς zu erklären bez. zu entschuldigen.)

Wie dem auch sei, so hatte Tertullian jedenfalls ein Recht sich diese vereinfachte Uebersetzung aus dem mittlerweile vermehrten Sprachschatze seines Volks zu Ungunsten der schleppenden ciceronianischen Uebertragung zu Nutze zu machen, und wir würden so auch nicht, mit ihm rechten dürfen, dass diese Uebersetzung doch nicht eine ganz wortgetreue ist, insofern sie sich nur mit à⁶ν% t½ov und d³αw, nicht aber mit Xoνισνεeν und aνινπαασον zu decken scheint. Wenn übrigens schon seine Vorgänger die letzteren Ausdrücke durch das von Spalding zu Quintilian allerdings beanstandete(rationabilis und) irrationabilis) wiederzugeben ver- sucht zu haben scheinen, so werden wir uns nicht wundern, diesen Bildungen auch bei Tertullian zu begegnen, für welche er als erster Gewährsmann zu betrachten sein würde, wenn Spalding mit der Entfernung derselben aus Quintilian, Seneca und Apulejus ein nicht bloss durch den guten Geschmack begründetes Recht haben sollte. Ich habe es mir leider entgehen lassen, bei meinen Sammlungen auf das Vorkommen von rationabilis bei Ter- tullian besonders zu achten, da ich es, ehe mir das Bedenken Spalding's bekannt wurde,

⁴8) Tusc. 2, 21, 47: Est enim animus in partes tributus duas: quarum altera rationis est partice ps altera expers. Andre Umschreibungen werden später aus De Div. I, 29 angegeben werden.

4⁰) Tusc. 4, 5, 10: qui animum in duas partes dividunt: alteram rationis participem faciunt, alteram ewpertem; in participe rationis ponunt tranquillitatem in illa altera motus turbidos etc.

50) Ep. 71, 27, 32: Memini ex duabus illum partibus esse compositum: altera est inrationalis. haec mordetur, uritur, dolet: altera rationalis. haec incoucussas- opiniones habet, intrepida est et indomita. et ipsam virtutem in parte nostri meliore, i. e. rationali, positam.

⁵1) Inst. Or. 3, 5, 4: Illud jam omnes fatentur esse quaestiones aut in scripto aut in non scripto. In scripto sunt de jure; in non scripto de re. Illud legale, hoc rationale genus Hermagoras atque eum secuti vocant, i. e. voεμιιν vet 1Oαχ⁶ν.

) Es ist die Stelle Inst. Orat. 2, 16, 16: sed quia carent sermone quae id faciunt, muta atque irrationalia vocantur.