Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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nicht zur Verleumdung, die Ohren nicht zur Aufnahme schlechter Reden, u. s. W., oder ist die Seele deshalb dem Körper eingepflanzt, dass sie eine Brutstätte von Gedanken an List und Trug und Unrecht werde? ⁴¹) Hiernach scheint das Verbältnis der Sinne zu den Gedanken von Tertullian in folgender Weise bestimmt zu werden: die Sinneserregung kommt, bis zum Centralorgan fortgepflanzt, dort als Empfindung zum Bewusstsein und veranlasst jenes, den Sitz nicht bloss des Empfindens, sondern auch jeder Lebensregung, in irgend einer Weise darauf nach aussen oder nach innen zu reagieren. Darum kann Tertullian auch sagen, sowohl dass der Gedanke auch ohne Ausführung eine Handlung des Fleisches sei, wie dass man die Vergesell- schaftung von Seele und Fleisch in Bezug auf Gedanken nicht zu leugnen vermöge. ⁴²) Noch deutlicher tritt in dem Citat aus De Spect. 2 die doppelte Beziehung desεενανιανy hervor, wenn man, im Auschluss an das Citat aus De Res. Carn.(Anm. 27) annimmt, dass hier ebenso der Körper ein»cogitatorium spiritus« genannt werde, wie dort das Fleisch ein»cogitatorium animae« genannt wurde, wonach es also heissen würde:»dass er(der Körper) für diesen(den Geist) ein Beschaffer und Vermittler der Gedanken an List u. s. w. werde.« Darum werden auch da, wo Tertullian die Lehre von der Teilung und Gliederung der Seelensubstanz zurückweist und nur verschiedene Erscheinungsformen ihrer Thätigkeit zulässt, die fünf Sinne in eine Kategorie gebracht mit andern Thätigkeiten der Seele, unter diesen aber auch der Denkthätigkeit. ¹⁵)

Indem ich zum Schluss noch darauf hinweise, dass dem Tertullian die philosophische Bedeutung von principium ebensowenig unbekannt war, wie die Bedeutungsnüancierungen von principatus, benutze ich diese Gelegenheit, um durch Hinweis auf S. 20 f. der G M W JT. I, wo beide Wörter in anderer Beziehung besprochen werden, noch einmal daran zu erinnern, wie in Bezug auf Wiederanwendung solcher termini Tertullian mit Recht die grösste Vorsicht für geboten erachten musste. Dass übrigens principalitas vielleicht eine von Tertullian absicht- lich gemachte Neubildung war, weil ihm»principium« und»principatus« auch in ihren gewöhnlichen Bedeutungen als zu abgegriffen erschienen, geht daraus hervor, dass er principalitas auch sonst noch gebraucht, aber nicht ohne es indirect oder direct noch zu erklären. So erscheint es 1) im Sinne von»Anfang, Vortritt der Zeit nach(= principatus ordina- tivus, Herm. 19), erster Platz« wie aus dem Gegensatz posteritas und andern umschreibenden Wendungen hervorgeht, ⁴4) 2) im Sinne von»Oberhand, Herrschaft, Vortritt dem

41) Spect. 2: Neque enim oculos ad concupiscentias(NB.) neque linguam ad maliloquium(NB.) et aures ad exceptaculum(NB.) maliloquii etc., aut spiritus ideo insitus corpori ut insidiarum et fraudum et iniquitatum cogitatorium fieret?

) Res. Carn. 15: Adeo non sola anima transigit vitam, ut nec cogitatus licet solos, licet non ad effectum per carnem deductos, auferamus a collegio carnis, siquidem in carne et cum carne et per carnem agitur ab anima, quod agitur in corde. Hanc denique carnis speciem, arcem animae(cf. Cic. Tusc. 1, 10, 20 und Plato Tim. 70 æ ic ⁴εσοσσρσεενς) etiam dominus in suggillationem cogitatuum taxat. Adeo et sine opere et sine effectu cogitatus est carnis. Die Beziehung auf das euεονerdy ist klar; denn Tertullian sucht dieses ebenso im Herzen, wie Plato als die Burg desselben den Kopf ansieht.

4⁸) An. 14: Non enim membra sunt substantiae animalis, sed ingenia ut motorium(NB.), ut actorium(NB.), ut cogitatorium, ut et ipsi illi quinque sensus notissimi, visus etc. Vergl. R P T. S. 60.

⁴⁴) Praescr. 31: Sed ab excessu revertar ad principalitatem veritati et posteritatem mendacio depu- tandam nach dem Gleichnis, welches den vom Herrn ausgestreuten Samen in primore constituit, die Spreu vom Teufel gesät postea superducit. Es ist also das wahr, quod prius sit traditum, falsch das, quod posterius sit immissum.