Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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zu! ³⁸) Um also über das, was er meint, seine Leser nicht im Unklaren zu lassen, d. h. um sie vor dem Irrtum zu bewahren, bei dem frpeuovizòv, welches er statuieren will, an einen besondern dqominierenden Seelenteil zu denken, zieht er es vor, von dem ciceronianischen princi- patus abzusehen und den griechischen Begriff wörtlich ins Lateinische zu übertragen. Darum gebraucht er in den aus De An. citierten Stellen, wo er xo eρεᷣεαονιν⁴ν als besondern ter- minus griechischer Philosopheme bespricht, das substantivierte Neutrum des Adjectivs: Principale. Die Erinnerung an das von Cicero für ro Srelovtzò gebrauchte reine Substantiv principatus drängt ihm anderwärts, wo er nur auf den philosophischen terminus im allgemeinen hinweist, ebenfalls ein Substantivum auf, welches aber, da Tertullian andererseits immer von der wörtlichen Uebersetzung des griechischen Wortes ausging, nur die derselben entsprechende Neu- bildung principalitas sein konnte.

Wie wenig zusagend ihm jedoch beide Uebersetzungen erschienen, zeigen die sachlichen Erklärungen, durch die er De An. 15 dem Inhalt des griechischen Begriffs näher zu kommen sucht: summas in anima gradus vitalis et sapientialis;(id quo) vivant et sapiant animalia; vigor animae; vis sapientialis atque vitalis. Wie übrigens hier in der Erklärung die Neubildung sapientialis(empfindungsfähig) erscheint, die gewiss der Bedeutung nach nichts mit dem platonischen ꝓuι³⁴αοꝓeꝝ oder ꝓtlouasés des orioizo zu thun hat, also auch nicht mit»zur Weisbeit gehörig« übersetzt werden darf, da es sich bei Tertullian- dem Zusammenhange nach nicht um Weisheit, sondern zunächst nur um Empfinden han- delt, ¹⁵) so erscheint auch De Res. Carn. als Neubildung das, was nach Tertullian's Psycho- logie der principalitas sensuum als gleichwertig zu erachten ist, die Gedankenkammer oder Gedankenwerkstatt der Seele, das cogitatorium animae. Denn wenn nach Ter- tullian die höhere Erkenntnis auf der niedern basiert(der intellectus auf dem sensus), so wird auch der die höhere Prkenntnis vorbereitende cogitatus(Gedanke) auf dem die niedere Er- kenntnis anbahnenden sensus(Sinneserregung) beruhen, d. h. die Stelle, wo die Sinnes- empfindungen wie in einem Brennpunkt zusammenlaufen, ist zugleich der Aus- gangspunkt der Denkthätigkeit der Seele. Wenn das richtig ist, so werden wir wohl auch in dem principale fundamentum, als welches der Intellect nach De An. 18 den Sinn gebraucht, einen Nachklang von dem im 15. Capitel behandelten irpeειονπ᷑πdν zu erblicken haben. ¹⁰) Auf diese Auffassungen von dem rεuον᷑ινν als dem Sammelpunkt der Empfindungen und dem Ausgangspunkt der Gedanken weist auch eine Stelle aus De Spect. 2 hin, wo ebenfalls cogitatorium vorkommt. Mit Anspielung auf das De Res. Carn. 15 unmittelbar vorher erwähnte Wort des Herrn:»Qui conspexerit ad concupiscendum, jam adulteravit in corde« sagt Tertullian nämlich dort:»Wir haben die Augen nicht bekommen zu Begebrungen, die Zunge

²s) R. C. 7: Collocavit autem an potius inseruit et immiscuit carni(animam)? tanta quidem con- cretione, ut incertum haberi possit, utrumne caro animam, an carnem anima circumferat, utrumne animae caro, an anima pareat carni.

°) Man vergleiche Cic. Tusc. I, 10, 21, wo, indem von Dicäarch gehandelt wird, das von diesem geleugnete peuovixdy indirect durch folgende Wendungen erklärt zu sein scheint: vimque omnem eam, qua vel agamus quid vel sentiamus, in omnibus corporibus vivis aequabiliter esse fusam; corpus ita figuratum, ut temperatione naturae vigeat et sentiat. Cicero's sentire ist Tertullian's sapere.

⁴⁰) De An. 18: Videtur intellectus duce uti sensu et auctore et principali fundamento, nec sine illo veritates posse contingi, wozu zu vergl. S. 67 der R P T.