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hat, ³⁵) denselben nicht bloss immer wieder von Neuem, sondern auch durch andere Wörter erklärt wie Cicero. Dass Tertullian Ersteres überhaupt noch thut, ist ein deutlicher Beleg dafür, wie wenig geläufig den Lateinern diese philosophischen termini der Griechen überhaupt noch geworden waren; dass Tertullian selbst seine lateinische Uebersetzung dafür immer wieder mit dem griechischen Begleitschein versieht, zeigt deutlich, wie wenig sicher er darüber ist, ob er damit das Richtige getroffen hat und wie sehr er befürchtet, von seinen Landsleuten mit dem lateinischen Ausdruck missverstanden zu werden. Dass Tertullian aber anders übersetzen zu müssen meint wie Cicero, kann nur dadurch erklärt werden, dass Tertullian entweder Cicero's Uebersetzung überhaupt nicht für richtig resp. für zweideutig hält, oder dass er andern Uebersetzungsprincipien folgt wie Cicero. Wenn nun auch nicht geleugnet werden kann, dass Cicero's principatus nicht ganz dasselbe auszudrücken scheint, als was Tertullian mit principale und principalitas aussagen will, insofern Tertullian die Anwendung seines Begriffes auf die menschliche Seele beschränkt, während ihn Cicero auf jedes natürliche Wesen, selbst auf Bäume, ausdehnt; wenn sodann auch nicht zu leugnen ist, dass Tertullian Cicero's Uebersetzung mindestens nicht als erschöpfend betrachtet haben kann, weil er sonst den Begriff nicht noch ausserdem, wie De An. 15, dreimal auch indirect erklärt haben würde(s. o.); wenn endlich zugestanden werden kann, dass Tertullian an dem von Cicero vielleicht auch erst geschaffenen Worte insofern Anstoss nahm, als es sich mittlerweile zu andern, eine schiefe Auf- fassung von dem, was er meint, begünstigenden Bedeutungen entwickelt hatte: so glaube ich doch, dass diese Verschiedenheit der Uebersetzung auch auf Tertullian's besondere Ueber- setzungsprincipien mit zurückzuführen ist. Denn Tertullian, der Cicero sehr gut kannte, wusste gewiss ebenso gut wie wir, dass dieser einmal wenigstens den Ausdruck principatus nur auf die Seele bezogen hatte. ³⁶) Allein dadurch, dass Cicero an einer andern Stelle diese selbe dort citierte mit dem Principat bedachte platonische»ratio« als domina et regina bezeichnet, welche befiehlt wie ein Gebieter, Feldherr oder Vater, während der andre Teil gehorcht wie ein Sklave, Soldat oder Sohn, scheint er für Tertullian doch Beziehungen mit dem νεέα⁴αονάσαν verbunden zu haben, ³⁷) welche, wenn sie auch in Plato'’s Worten liegen mögen oder auf Grund derselben gefolgert werden können, Tertullian nicht als richtige anzuerkennen vermochte; denn da er weder eine Teilung der Seele im Sinne Plato's noch eine solche überhaupt zugiebt, kann nach ihm weder einem solchen Teile noch auch einem von ihm allenfalls zugelassenen Seelen- vermögen eine solche Herrschaftsstellung zuerkannt werden(vgl. S. 37 und 59 ff. meiner R P T.): lässt er doch eine solche nicht einmal in dem Verhältnis der Seele zum Leibe
³5) De Nat. Deor. II, 11, 29:— omnem enim naturam necesse est— habere aliquem in se princi- patum, ut in homine mentem— unde oriantur rerum appetitus. In arborum autem— radicibus inesse princi- patus putatur. Principatum autem id dico, quod Graeci euovindy vocant, quo nihil in quoque genere nec potest nec debet esse praestantius. Ita necesse est illud etiam, in quo sit totius naturae principatus, esse omnium optimum omniumque rerum potestate dominatuque dignissimum. Etc.
36) Tusc. I, 10, 20:— Plato triplicem finxit animum: cujus principatum i. e. rationem in capite sicut in arce posuit.
37) Tusc. I, 21, 47 f.: Sed praesto est domina omnium et regina, ratio, quae connixa per se et progressa longius, fit perfecta virtus. Haec ut imperet illi parti animi, quae obedire debet, id videndum est viro. Quonam modo? inquies. Vel ut dominus servo, vel ut imperator militi, vel ut parens fllio.


