— 9—
(R. C. 2). Die Frage nach der Auferstehung auch des Fleisches glaubten die Gegner Tertullian's dagegen negativ beantworten zu müssen. Diese Halbierung der Auferstehung bekämpft nun Tertullian in der Schrift De Resurrectione Carnis, indem er zunächst untersucht, ob das Fleisch, da es gleichfalls ein Gebilde Gottes sei, desselben nicht ebenso würdig sei wie die Seele (R. C. 4— 10), sodann, ob der Gott, der das Fleisch hergestellt, nicht ebenso die Macht habe, es wieder herzustellen(l. c. 11 ff.), drittens, ob es der Gerechtigkeit Gottes entspreche, nur einen Wesensbestandteil des Menschen(die Seele) dem Gerichte zu unterwerfen, da doch der Begriff des menschlichen Lebens, über dessen Führung im Gericht entschieden werde, die innige Verbindung von Seele und Leib zur Voraussetzung habe. Wer die Auferstehung des Fleisches leugnen und doch den Fortbestand der Seele annehmen will, sagt Tertullian, der muss auch den innigen Zusammenhang, der zwischen Seele und Leib in der Führung dieses Lebens besteht, leugnen u. s. w. Jedoch verbringt die Seele dieses Leben so wenig allein, dass wir nicht einmal die blossen, d. h. durch das Fleisch noch nicht zur Ausführung gebrachten Gedanken von der Gemeinschaft des Fleisches trennen können, da ja das, was nach dem Ausspruch des Herrn als Gedanke im Herzen vor sich geht, eben darum von der Seele im Fleische und mit dem Fleische und durch das Fleisch getrieben wird. Nun weiss aber Tertullian sehr wohl, dass ausser ägyptischen Weissagern(divinarum commentatores= Therapeuten?), Orphikern, Empedokles, Protagoras, Apollodor und Chrysipp(An. 15) Niemand sonst das Herz als diese »Burg der Seele« angesehen habe. Darum sagt er:»Aber auch wenn in das Gehirn oder in die Mitte des Abstandes der Augenbrauen von einander oder wohin es sonst den Philosophen gefällt, der hauptsächliche Sitz(die Hauptleitung, das Centralorgan) der Sinne(sempfindungen) und damit der Gedanken ſ[vgl. andeutungsweise R P T. S. 34]) verlegt worden ist, so bleibt darum immer noch das Fleisch das Behältnis, bez. die Werkstätte der Gedanken.« ²) Wie aus dem Citat ersichtlich, ist also hier ο ⁵πꝓρν△⁴μυσσν durch die Neubildung principa- likas wiedergegeben, während es an zwei Stellen der Schrift De Anima wörtlicher durch principale ausgedrückt wird. In der einen Stelle wendet sich Tertullian gegen die Annahme von der Teilbarkeit der Seele, wonach sie z. B. Plato in zwei Teile, andere in mehr, Posidonius aber in zwölf Teile zerlegt habe; und zwar habe sie dieser, von zwei Merkmalen ausgehend, dem principale und dem rationale, hernach in zwölf Teile weitergespalten. ²⁸) Die andere Stelle ist noch darum interessant, weil in derselben zwei Kategorien des Auftretens griechischer Wörter bei Tertullian(A, b und A, c) sich insofern vermischen, als der voran- gehenden weiteren lateinischen Erklärung der griechische terminus beigegeben und diesem wieder die lateinische Uebersetzung angehängt ist. Im Gegensatz nämlich zu solchen nur auf zufälligen äusseren Merkmalen beruhenden Gliederungen der Seele wirft Tertullian die Frage auf, ob es (nicht vielmehr) vor Allem eine oberste und ausschliessliche, Leben und Empfinden (bez. Erkennen) vermittelnde(und damit wohl auch enthaltende) Stelle in der Seele gebe,
2⁷) Res. Carn. 15: Sed etsi in cerebro, vel in medio superciliorum discrimine, vel ubi philosophis placet, principalitas sensuum consecrata est, quod /ε△ρμσσσν appellatur, caro erit omne animae cogitatorium.
²⁸) An. 14:— apud Posidonium qui a duobus exorsus titulis, principali, quod aiunt r†εαονυναην et a rationali, quod aiunt Xo†ᷣαν, in duodecim exinde prosecuit.
2


