Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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der Zeit anzuerkennen vermag, als er das, was ihm dienen sollte, gemacht hatte. Wäre die Materie ewig gewesen, meint Tertullian, so hätte sie auch frei sein müssen, insofern sie, da sie keinen Ursprung haben soll, auch keinen Urheber haben konnte, dem sie als ihrem Herrn zu Dienst verpflichtet gewesen wäre. 11) Umgekehrt ist wieder Gott nicht f rei, vielmehr der Materie unterworfen, wenn er ohne sie nicht hätte schaffen können; wenn Gott nicht auch das konnte, dass er aus Nichts Alles hervorbrachte, so war er nicht der Allmächtige. ¹²) War ferner die Materie schlecht, Gott aber der Gute, so hätte er sie erst besser machen sollen; indem er das nicht that, begab er sich seines Herrenrechtes, gezwungen durch seine Schwachheit und nicht gehalten durch seine Macht. ¹³) War aber die Materie gut, so hätte Gott immer, wenn er ihrer zur Schöpfung bedurfte, einer fremden Substanz sich ver- pflichtet. ¹⁴) Darum bleibt nur die Schöpfung aus Nichts als Gottes würdig übrig. Aber, fragt Hermogenes, woher kommt dann das Böse, wenn die Entstehung desselben nicht der mit Gott gleichewigen Materie zugewiesen werden soll? werden dann nicht auch die Uebel seinem Gut- dünken(arbitrio ejus) imputirt? Ist es dann nicht besser, als Urheber des Bösen den »Schöpfer« anzunehmen(wie Marcion), über dem der beste Gott steht? Dieser Ausweg, sagt Tertullian, führt zu nichts, denn dann würde dieser obere Gott das Böse, wenn auch nicht selbst gemacht, so doch wenigstens zugelassen haben; ¹⁵) man würde dann schliessen müssen, entweder, dass er es verbessern konnte und nicht wollte, oder dass er es verbessern wollte, aber nicht konnte. ¹1) Wenn also das Böse mit Gottes Willen da wäre, insofern er es verbessern konnte, aber nicht wollte, so hätte Gott selbst schlecht gehandelt; wäre es aber mit Notwendigkeit da, insofern es Gott verbessern wollte, aber nicht konnte, so wäre das wieder seiner unwürdig und er würde entweder als Freund oder als Diener der Materie erscheinen. ¹⁷) Die Materie konnte überhaupt nicht schlecht sein, wenn sie ewig war; ebenso wie Gott in letzterer Eigen- schaft nur gut sein konnte. Angenommen aber, die Materie war von Ewigkeit her schlecht, so müsste das Böse auch immer bleiben, und es könnte ihm in der Schrift kein Ende in Aussicht gestellt werden. ¹⁸) Denn Ungebornes, wie es doch die Materie sein soll, ist, weil es nicht auf

¹¹) Herm. 3: Dominus nomen potestatis dominus per ea quae sibi servitura fecisset deus exinde dominus, ex quo habuit cujus esset. Cum enim neget materiam natam aut factam, sic quoque invenio domini nomen deo non competisse in materiam, quia libera fuerit necesse est, quae originem non habendo non habuit auctorem, quod erat nemini seruiens. Itaque ex quo deus Ppotestatem suam exercuit in eam faciendo ex materia, ex illo materia dominum deum passa ete.

¹1²) Herm. 8: Deus subjectus materiae videtur, cuius substantiae eguit iam non omnipotens, si non et hoc potens, ex nihilo omnia proferre.

¹⁵) Herm. 9: Sed precario forsitan usus est, non dominio, ut de mala sustinuerit uti, scilicet ex necessitate mediocritatis suae, qua non valebat ex nihilo uti, non ex potestate. necessitatem suam ostendit cedentem conditioni materiae, quam, si dominus fuisset, emendasset.

¹⁴) Herm. 10: debitorem se alienae substantiae ostenderet.

¹⁵) Herm. 10: qui malum etsi non ipse fecit, tamen a quocunque et unde unde passus est fieri, wofür er cap. 9 sagt: quia non effector, certe permissor(NB.), wofür er wieder cap. 10 mit neuer Bedeutung von adsentator(Zustimmer zu) sagt: adsentator mali.

¹6) Ib.: Aut enim potuit emendare, sed noluit; aut voluit quidem, verum non potuit infirmus deus.

²0) Ib.: adsertor(vielleicht assentator oder assensor zu lesen?) ejus inventus est, male, si per voluntatem, turpiter, si per necessitatem; aut famulus erit mali deus aut amicus, etc.

¹⁸) Herm. 11: Invincibile(NB.) et insuperabile erit malum ut aeternum.