Aufsatz 
Die Grundsätze und Mittel der Wortbildung bei Tertullian : Fortsetzung / von G. R. Hauschild
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1. ro αἀαπιειονσον(und atτeονιυαιαιοσ).

Die Valentinianer begründeten ihre Lehre von der Dreiteilung der menschlichen Na- turen(vgl. R P T. S. 26, 37, 42, 73) damit, dass sie sagten, man könne sich das Gute der einen, die Schlechtigkeit der andern, die Lauheit dritter nur dadurch erklären, dass dieselben von vornherein so verschieden angelegt seien, da man nicht annehmen könne, dass, wenn z. B. alle Seelen von vornherein gut angelegt gewesen seien, diese natürliche Anlage bei so vielen in ihr gerades Gegenteil hätte verkehrt werden können. Sie leugneten also die Veränderlichkeit und Verkehrbarkeit der natürlichen Anlage(convertibilem negant naturam) und stützten sich hierfür auf des Herrn Wort:»Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen« u. ühnl. Stellen. Ein solches Verfahren be- zeichnet Tertullian aber als einseitig; denn andererseits fordere die Schrift auch das Otteru- gezüchte(viperarum genimina NB.) auf, rechtschaffne Früchte der Busse zu thun, u. ähnl. Diese anscheinenden Widersprüche seien sehr leicht zu lösen, wenn man nur bedenken wolle, dass auch ein schlechter Baum gute Früchte bringen könne, wenn er gepfropft werde, und dass auch ein guter Baum schlechte Früchte bringen werde, wenn er nicht gepflegt werde, wie anderer- seits auch das Otterngezücht noch Früchte der Busse wirken könne, wenn es das Gift der Bos- heit ausgespieen hätte. Die Möxglichkeit eines solchen Umschwunges beruhe auf dem Walten der göttlichen Gnade, der, da sie mächtiger sei als unsre Natur, in uns die Willensfreiheit unterliege, welche doch zugleich von Natur sich dahin wende, wohin sie sich wende, da sie als naturalis auch veränderlich sei) linwiefern hierbei zwischen»natura« als solcher und natura als»institutio« zu scheiden sei, zeigt RP T. S. 74, wozu ich Herm. 12 zu vergleichen bitte].

Das Citat zeigt, dass Tertullian unter libera arbitrii potestas das verstanden wissen will, was griechisch gebildeten Lesern als auτesotroνn bekannt sein konnte, weun auch das Wort selbst erst eine ziemlich späte griechische Bildung zu sein scheint. ²) Wie sehr es ihm darum zu thun ist, mit seiner lateinischen Uebersetzung für dasselbe nicht missverstanden zu werden, geht daraus hervor, dass er im folgenden Satze nicht diese, sondern den griechischen Ausdruck ohne dieselbe gebraucht. ¹⁰) Wenn Tertullian in diesem Satze bemerkt, dass er den Besitz der Willensfreiheit als eines naturale unsrer Seele dem Hermogenes gegenüber schon anderswo festgehalten habe, so kann sich diese Behauptung nicht auf die uns noch erhaltene Schrift Adversus Hermogenem, sonderun nur auf die verloren gegangene De Censu Animae beziehen. Denn dort spricht Tertullian einmal nicht von uns, sondern von Gott und seinem Verhältnis zur Materie, sodann handelt es sich dort nicht um die Willensfreiheit als Wahlfreiheit, sondern um die Freiheit, sofern sie Unbeschränktheit, Unabhängigkeit im Handeln ist.

Es ist interessant zu beobachten, wie sich der Ausdruck für letzteren Begriff dort mit dem bis dahin in der lateinischen Sprache hierfür üblich gewesenen deckt. Hermogenes will Gott von jeher als Herrn anerkannt wissen, weshalb er die Materie als gleichewig setzt, um sie Gott unterordnen zu können, während Tertullian Gott als Herrn nach dem Schriftwort erst seit

) An. 21: Haec erit vis divinae gratiae, potentior utique natura, habens in nobis subiacentem sibi liberam arbitrii potestatem, quod aueouνσιον dicitur, quae cum sit et ipsa naturalis atque mutabilis, quoquo vertitur, natura convertitur.

*) Stephanus führt als ältesten Beleg des Wortes eine Stelle aus Diodor an; auf jeden Fall ist aber der Begriff der Willensfreiheit erst auf christlichem Boden erwachsen.

¹⁰) Inesse autem nobis ro α resouotov naturaliter jam et Marcioni ostendimus et Hermogeni.