Aufsatz 
Tertullian's Psychologie und Erkenntnisstheorie / dargest. von G. R. Hauschild
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wohl der Eifer) sehr verschieden aus. Einige begnügten sich, Homer zu lesen, oder sich im Griechisch-Schreiben durch Benutzung der Hilfsbücher von Haacke, Böhme oder Diehle zu üben; andere wählten einen schwereren Schriftsteller und hielten daran fest(z. B. las einer die drei ersten Bücher des Thukydides), noch andere wechselten mehrmals. Von Griechischen Dichtern wurde Homer von 19, Sophokles(Antig. Electra) von 3, Ari- stophanes(Nubes, Aves, Ranae) von 4 Schülern gelesen; unter den Prosaikern hatte Thukydides die meisten(15) Verehrer, demnächst Plato(8) und Lucian(8); einzelne lasen auch mit Eifer Herodot(2), Lysias und Demosthenes(3); weniger beliebt war Xenophon(1). Von Lateinischen Dichtern fanden die Komiker die meisten Anhänger, Plautus(Capt. Mil. Glor. Trin.) 11, Terenz(Andr. He. Tim.) 2; von einzelnen wurden auch Tibull, Martial, Ovid, Vergil doch nur kurze Zeit gelesen; die Oberprimaner benutzten ausserdem diese Stunden vielfach zur Repetition der Carmina des Horaz. Verhältniss- mässig gering war die Neigung zur Lateinischen Prosa: Sallust und Cicero wurden von je 5; Cäsar, Livius und Sueton nur von einzelnen gelesen.

Ueber einige besondere Unterrichtszweige habe ich noch Folgendes mitzutheilen:

1. Eine Commission des Collegiums unter Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Fischer be- schäftigte sich lange und gründlich mit der sehr schwierigen Frage über die An- ordnung des Deutschen Unterrichts; diese Commissionsvorschläge wurden während des Wintersemesters in drei Conferenzen debattirt und angenommen. Es resultirt daraus zunächst, dass von Ostern 1880 an(wenn die Behörde dem zustimmt) die Secunda-Classen 3 Deutsche Stunden wöchentlich(anstatt der bisherigen 2) haben werden. Der Stufengang bei Behandlung der Grammatik und der Lesestücke, der Wahl zum Auswendiglernen, der Leitung der Lectüre und der schriftlichen Arbeiten ist genau im Einzelnen festgestellt. Freilich wird der sehr richtige Grundsatz, dass in den Unter- und Mittel-Classen der Deutsche Unterricht in denselben Händen liegen solle wie der im Lateinischen(und Griechischen), bei der dermaligen Zusammen- setzung des Collegiums(wo z. B. drei Classenlehrer zugleich Religionslehrer sind) und bei der in letzter Zeit eingeführten Vermehrung der Pflichtstunden, nur sehr theilweise durchführbar sein. Die Einführung des Hopf- und Paulsiek'schen Lesebuchs hängt mit dieser neuen Organisation zusammen.

2. Für den ÜUnterricht in den classischen Sprachen wurden fürs Lateinische die Formenlehre von Perthes und die Hauptregeln der Lat. Syntax von Harre (die Berger'sche Stilistik war auch vorgeschlagen, doch wurde deren obligatorische Einführung von der Königl. Behörde abgelehnt), fürs Griechische die Materialien zu Griech. Exercitien von Haacke eingeführt.

3. Im Geschichtsunterricht ist seit Ostern 1879 der Normal-Lehrplan(Wiese, Vorrede und Ges. I., Seite 88 f.) vollständig zur Geltung gekommen. Die historischen Schulatlanten von Putzger und Rohde werden den Schülern zur Anschaffung empfohlen.

4. Der Separat-Geschichtsunterricht für die Katholiken macht seit der grossen Erweiterung der Schule sehr viele Noth, da die für die geringe Zahl der Katholiken nothwendigen Classencombinationen während der regelmässigen Unterrichtszeit sich