Aufsatz 
Tertullian's Psychologie und Erkenntnisstheorie / dargest. von G. R. Hauschild
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wenn auch manches hierin Erwähnte schon der»Empirischen Psychologie« Tertullian's zu- gewiesen werden kann. Der Darstellung der letzteren fallen zu:

1. Die Verbindung der Seele mit dem ersten Menschen;

2. die aus dieser Verbindung resultirenden weiteren qualitativen Bestimmungen der Seele die»naturalia animae im weiteren Sinne«

3. das durch die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes bedingte und endgültig fixirte Verhältniss der Seele zum menschlichen Leibe;

4. die»Beobachtungen des Spiels unsrer Gedanken und die daraus zu schöpfenden Naturgesetze des denkenden Selbst(Kant), d. h. die von Tertullian beobachteten bez. gesetzmässig entwickelten und begründeten psychologischen Thatsachen.

Die Darstellung der empirischen Psychologie Tertullian's würde als ergünzenden bez. bestätigenden Factor hauptsächlich die biblische Kosmologie zu berücksichtigen haben; da sie aber die rationale Psychologie zu ihrer nothwendigen Voraussetzung hat und ohne diese unverständlich ist, kann auch sie der biblischen Theologie und Christologie wenigstens insofern nicht entrathen, als ihre Voraussetzung sich hauptsächlich auf diese stützt. Den Schluss würde eine Darstellung des Verhältnisses der philosophischen Anschauungen Tertullian's zu denen seiner philosophischen Vorgänger bez. Zeitgenossen bilden, wobei in systematischem Zusammen- hange zu zeigen wäre, was er von den einzelnen Philosophen als acceptabel anerkennen kann oder als unvereinbar mit seinen Grundanschauungen verwerfen muss. ¹)

¹) Vorbemerkung. C(itirt ist nach der Ausgabe von Leopold in Gersdorf's Bibliotheca patrum ecclesiasticorum latinorum selecta. In Citaten aus Tertullian's Schriften bezeichnen die() die meiner Ansicht nach zum bessern Verständniss des Textes zu machenden Einschaltungen, während die] meist meine Ansichten zur bessern Vermittelung des Zusammenhanges enthalten. Mit Rücksicht auf den Raum habe ich solche grössere Abschnitte, in denen ich im Allgemeinen wörtlich übersetzt zu haben glaube, was durch » beaeichnet ist, nicht besonders im Urtexte angeführt; auch die urtextliche Citation solcher Stellen unterlassen, die nur nach ihrem allgemeinen Inhalt hier vorgetragen sind und mir nur eine Auffassung zuzu- lassen scheinen. Die Abkürzungen bezeichnen: Ap. Apologeticus, Spect. De Spectaculis, Test. An. De Testi- monio Animae, Cor. Mil. De Corona Militis, Fug. De Fuga in Persecutione, Scorp. Contra Gnosticos Scorpiace, Pat. De Patientia, Poen. De Poenitentia, Ux. Ad Uxorem, Cult. Fem. De Cultu Feminarum, Exh. Cast. De Exhortatione Castitatis, Mon. De Monogamia, Pud. De Pudicitia, Virg. Vel. De Virginibus Velandis, Praescr. De Praescriptionibus Haereticorum, Herm. Adversus Hermogenem, Val. Adversus Valentinianos, Carn. Chr. De Carne Christi, Res. Carn. De Resurrectione Carnis, An. De Anima, Prax. Adversus Praxeam, Marc. Adversus Marcionem. Die Literatur zu dieser Frage ist wenig ergiebig: Neander gibt ir sächlich nur Inhaltsangaben der einzelnen Schriften Tertullian's mit besonderer Berücksichtigung der dogmen- bez. kirchengeschichtlichen Verhältnisse; von allgemeinerem Interesse für das Verständniss des Anfangs der vorliegenden Abhandlung sind nur die Abschnitte überAdversus Hermogenem«(S. 336 358 der 2. Auflage) und»Adversus Marcionem(S. 398 429 der 2. Auflage), und zwar deshalb, weil sie am schnellsten über beide in der»Geschichte der Philosophie« ziemlich vernachlässigte Männer und Tertullian's Schriften gegen sie zu orientiren geeignet sind. Huber widmet in seiner»Philosophie der Kirchenväter«(München 1859) Tertullian eine längere Besprechung(S. 100 129), in der er sich bestrebt, einige Grundanschauungen Tertullian's aus den verschiedenen Schriften desselben herauszuheben und im Zusammenhange darzustellen; so die Erkenntniss- theorie S. 109 f., die Seelenlehre S. 121 124. Wenn Huber sich nicht ziemlich lange dabei aufgehalten hätte, Tertullian auf Grund der bekannten Stellen alsgeborenen Gegner der Philosophie« zu charakterisiren, würde vielleicht Manches zu tieferer Behandlung und klarerer Geltung haben kommen können, Methode der Darstellung ohnehin nicht scharf und durchsichtig genug hervortritt. Sei lehre Tartullian's steht der der Logoslehre desselben bedeutend der Philosophie im 3. Capitel des 3. Buches(S. 362

in»Antignosticus« haupt-

was bei der lose citirenden ne Darstellung der Seelen- nach. Ritter spricht im 5. Bande seiner Geschichte 417) über Tertullian; er hebt mit grossem Rechte die