Aufsatz 
Tertullian's Psychologie und Erkenntnisstheorie / dargest. von G. R. Hauschild
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Bedeutung der Natur als tertullianischer Erkenntnissquelle heraus, weiss aber, weil er selbst die tertullianische Bedeutung dieses Wortes nicht genau erfasst und klar bestimmt hat, der Seelenlehre weder eine besondere Be- deutung abzugewinnen noch ihr eine entsprechende und hervorragende Stellung in seiner zusammenhängenden Darstellung einzuräumen. Dass er aber im Uebrigen die Bedeutung Tertullian's für die christliche Philosophie richtig erfasst hat, mag der Schluss seiner Besprechung zeigen:»So erweckte die christliche Lehre in dem Manne, welcher als einen Feind aller Philosophie sich zu erkennen gibt, dennoch eine philosophische Forschung, welche über den Inhalt des christlichen Glaubens sich Rechenschaft zu geben suchte und damit zugleich auch diesen Inhalt des Glaubens weiter zu entwickeln sich genöthigt sah. Sie erweckte diese philosophische Forschung in einem Manne, welcher der Lateinischen Zunge angehörig schon dadurch einer der Philosophie wenig günstigen Bildung sich anschloss. Man wird nicht verkennen, dass im Tertullianus ein philosophischerer Geist lebte, als jeder andere, welcher bis zu seinen Zeiten in der Lateinischen Literatur sich erhoben hatte.« Von den hierher gehörigen Monographien von Beyer(Quo sensu etc.), Franck(Tertullianus eo quem de animo(]) scripsit libro, etc.), Stöckl(Sententia Tertulliani de natura animae), Burckhardt(Die Seelenlehre des Tertullian nach dessen Tractat: de anima dargestellt; 27 S., Bautzen 1857) habe ich nur letztere erlangen können. Sie enthält sich jeglicher Kritik und Beleuchtung der Ansichten Tertullian's und seiner Gegner, gibt vielmehr nur eine fort- schreitende Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel von Tertullian's betr. Schrift, diese aber mit ziemlicher Genauigkeit.