Aufsatz 
Geschichte der Anstalt von 1837-1887
Entstehung
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Gejchichte des Großherzoglichen Realgymnaſiums und der Bealſchule

von 18371887.

Lad uνσ Ned age I. Gründung und Cröffnung.

Der mächtige Aufſchwung auf allen Gebieten der techniſchen und Naturwiſſenſchaften weckte im erſten Drittel dieſes Jahrhunderts, wie an vielen anderen Punkten unſeres Vaterlandes, ſo auch im Großherzogtum Heſſen das Bedürfnis nach Mittelſchulen, welche geeignet wären, den künftigen Vertretern der bürgerlichen Gewerbe den ihnen gebührenden und vom praktiſchen Leben geforderten Anteil an jenen Disciplinen zu übermitteln. So entſtanden die heſſiſchen Realſchulen. Darmſtadt und Mainz gingen mit der Errichtung ſolcher Anſtalten voran, andere Städte folgten.

Den erſten Anlaß zur Gründung der Realſchule in Gießen gab ein gemeinſchaftlicher Beſchluß der beiden landſtändiſchen Kammern des Großherzogtums im Jahre 1833, welcher die Erweiterung der ſchon beſtehenden Realſchulen in Darmſtadt und in Mainz, ſowie die Errichtung einer ſolchen Anſtalt in Gießen als wünſchenswert bezeichnete und zugleich der Regierung die hierzu erforderlichen Credite eröffnete. Daraufhin trat die Großh. Regierung mit dem Gemeinderat der Stadt Gießen in Verhandlung, und dieſer erklärte ſich im Januar 1834 bereit, für den gedachten Zweck jährlich 3000 fl. zu verwilligen, wenn von Seiten des Staates die gleiche Summe zur Verfügung geſtellt werde. Als aber die Regierung neben dieſer baren Leiſtung der Stadt auch die Herſtellung eines ausreichenden Lokals, beſtehend aus 8 Sälen, einem chemiſchen Laboratorium, einer Wohnung für den Direktor und einer ſolchen für den Pedellen, nebſt Beſtreitung der Heizungskoſten anſann, da tauchten bei den ſtädtiſchen Behörden Zweifel auf, ob der von einer Realſchule zu erhoffende Nutzen zu den verlangten Opfern im richtigen Verhältnis ſtehe.

Der BegriffRealſchule war damals noch durchaus kein feſt umſchriebener, und es war daher nicht zu verwundern, daß der Stadtvorſtand, ehe er ſich zu neuen Bewilligungen verſtand, den Wunſch ausſprach, es möge ihm ein ausführlicher Plan der beabſichtigten Schule vorgelegt werden, der eine eingehende Prüfung der Bedürfnisfrage möglich mache.

Eine auf Wunſch des damaligen Bürgermeiſters C. Silbereiſen von dem Gemeinderatsmitglied Dr. Vogt verfaßte und vom Gemeinderat am 9. Auguſt 1834 genehmigte Denkſchrift gibt den Bedenken und Wünſchen, die man ſtädtiſcherſeits hegte, ausführlichen Ausdruck.

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