der Gießener(und zum Teil in der Berliner) Hs. folgt noch: Hye het er gross weltlich ere, nun hat er gross schand. Hye nam sein herrschaft ein ende.
Den Ubergang von der einen Charakterschilderung zu der anderen bildet die Er- zählung von der Paradiesfahrt. Nachdem nämlich der Verfasser des Seelentrosts von dem Tode Alexanders infolge von Vergiftung berichtet hat, entsprechend der Uberlieferung im Pseudokallisthenes und seinen Obersetzungen, schließt er noch eine andere Darstellung von dessen Lebensende an mit den Worten: Me vint ok bescreven van koning Alexandere: Do he alle lant bedwungen hatte, dar he to kam, do en noghede om nicht. Do horde he seggen van dem paradise usw. Diesem Abschnitt von der Paradiesfahrt, von der weder die Historia de prelüis noch Julius Valerius und seine Epitome etwas weiß, liegt, wie in Lamprechts Alexanderlied, die bekannte Schrift„Alexandri Magni iter ad Paradisum“? zu Grunde; doch finden sich starke Abweichungen. Im Seelentrost beteiligt sich Alexander nicht selbst an dem Zuge, sondern schickt nur Boten, und diesen kommt der Alte, der ihnen Aufklärung gibt, entgegen, während er in der lateinischen Schrift durch ein Fenster mit ihnen spricht. Vor allem aber fehlt der Schluß, der von der Besserung Alexanders handelt, im Seelentrost ganz, offenbar deshalb, weil ihn der Verfasser nicht gebrauchen konnte für seinen Zweck, in dem Schicksal Alexanders ein abschreckendes Beispiel zu zeigen.
Mit den letzten Ausführungen haben wir bereits die Frage nach den Quellen berührt. Als ich mich vor vielen Jahren, angeregt durch Behaghel, zum erstenmal damit beschäftigte, verglich ich zunächst den Seelentrost-Alexander mit der damals noch nicht herausgegebenen Alexanderchronik Babiloths,3 von der sich eine Handschrift auf der hiesigen Universitätsbibliothek befindet. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß eine Abhängigkeit beider voneinander nicht vorhanden ist, da Bab. sich größtenteils eng an die sog. Orosius- rezension der Historia de preliis anschließt, während diese Fassung im Seelentrost sehr zurücktritt. Ich erkannte aber auch, daß die damals bereits ausgesprochenen Ansichten über die Quelle des Seelentrost-Alexander irrig waren.
Graesse behauptet nämlich in seinem Lehrbuch der allgemeinen Literärgeschichte II 3, 1, S. 455, die altplattdeutsche Prosageschichte von Alexander bei Bruns sei aus Jean Vauquelins Ristoire d'Alixandre entnommen. Er stützt sich dabei offenbar auf eine Außerung von Jacobs in den„Beiträgen zur älteren Litteratur“, herausgegeben von Jacobs und Ukert, I, 386, A. 11:„OUber andere deutsche Bearbeitungen der Alexandersage siehe v. d. Hagen, Liter. Grundriß, 221— 224, wo die von Bruns(Romantische Gedichte, Berlin 1798) edierte Geschichte Alexanders in altplattdeutscher Sprache, welche meist mit unserer Histoire d'Alixandre(gemeint ist die von Vauquelin) übereinstimmt, nicht erwähnt ist.“ Auf Grund eigener Untersuchung hätte Graesse kaum ebenfalls zu einem Ergebnis kommen können, das sich auch bei flüchtiger Betrachtung beider Werke als unrichtig herausstellt. Schon die Entstehungszeit der Schriften hätte ein solches Urteil verbieten müssen. Denn wenn es Graesse auch unbekannt war, daß der Bruns'sche Alexander aus dem Seelentrost
¹ Eine ähnliche„Moralisation“ steht schon in den alten Quellen als Grabsprüche der Philosophen beim Tode Alexanders; hier erscheint sie jedoch in selbständger Fassung, verschieden auch von der in des Petrus Alphonsus Disciplina clericalis.
² Hrsg. von Zacher; auch in Kinzels Ausgabe von Lamprechts Alexanderlied abgedruckt.
3 Jetzt herausgegeben von Herzog(Beilage zum Jahresbericht des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums 1807 und 1904). Ausfeld hatte geglaubt, von Babiloths Alexanderchronik seien nur Hss. vorhanden und kein alter Druck. Ich habe jedoch einen solchen festgestellt in einem Rostocker Druck der Michaelisbrüder, den Hiofmeister beschreibt in Wiechmann, Mecklenburgs altniedersächsische Litteratur(Schwerin 1885), III 87; Be- haghel hatte mich auf diese Stelle aufmerksam gemacht; vergl. Zeitschr. f. deutsche Phil. 30, 301.


