Philipp nennen. Die gemeinsamen Auslassungen in K und G lassen sich also nur aus einer gemeinsamen Vorlage erklären.
Von den übrigen Hss. stehen die Hamburger und die v. Arnswaldtsche in einer näheren Beziehung zu einander, denn die Lücke, die ich oben(S. 7) für die letztere nachgewiesen habe(buchern— blumen), findet sich auch in der Hamburger Hs. Noch einige andere Auslassungen haben beide Hss. gemeinsam: In der Einleitung des Seelentrosts heißt es in der Stuttgarter(und ähnlich in der Gießener) Hs.: Etsliche lude sint, de da lesent van Pertinillen(Pfeiffer verbessert Percivalen), van her Eristiani(Pfeiffer vermutet irrigerweise Ernesten); die Bücher von Parzival fehlen in der v. Arnswaldtschen(soemige lude lesen boeke van tristran) und in der Hamburger Hs. Ebenso lassen beide Hss. in der Einleitung die Worte„und die Jungfrauwe die suberlichen blumen zu eyme krantze“ und in dem Satze „Her umb so hain ich wille zo schreven de hilge schrift us dem latin in dat diutsche“ die Worte„us dem latin“ weg.
Doch diese Bemerkungen über die Verwandtschaft von Handschriften und Drucken nur nebenbei. Auch das Verhältnis der fünf mittelniederländischen Historienbibel-Handschriften zueinander soll hier nicht weiter erörtert werden.
Der Zweck, den der Verfasser des Seelentrosts mit der Aufnahme dieser Alexander- geschichte verfolgte, ist bereits oben angedeutet worden. Er wollte in dem Makedonier- könig einen Menschen zeigen, der mit seiner unersättlichen Habgier gegen das zehnte Gebot verstieß und deshalb nach seinem Tode der Verdammnis anheimfiel. Allerdings entspricht diese Darstellung am Schlusse nicht dem Charakterbild, wie es in den übrigen Teilen der Erzählung uns entgegentritt. In der Geschichte von den Juden, die von Gott abgefallen Waren, heißt es(Bruns S. 346):„Do Wart ome gesecht, dat se hedden ores goddes vortegen; darumme hedde des got gestadet, dat ore lant gewunnen were“; und als nun Alexander anfängt, das Land dieser Juden zu ummauern,„dor dat se orem gode hebben untruwe dan“, da Wird ihm sogar die von Gott erbetene Hilfe zu teil:„Dar dede got en grot wunder, dat sek en berch an dem andern slot.“ Auch auf seinem Zuge gegen die Perser unterstützt Gott den Froberer durch ein Wunder, indem er das Wasser eines Meeresarmes“ teilt, So daß das makedonische Heer trockenen Fußes durchziehen kann;„dat dede got darumme, dat he dat volk vordelgen scolde umme orer sunde willen“(Bruns 350). Gleich darauf will Alexander einen Boten zu Darius senden;„do kam en stempne unde sede Alexander, dat he sulven de bode scolde sin, got de wolde om helpen“. Alexander selbst sagt von sich (Bruns 356):„dat ek alsus wandere, dat is goddes wille“. Auch sein Edelmut gegenüber dem sterbenden Darius und dem Perser, der einen Anschlag auf ihn ausführt, sein ehrfurchts- volles Benehmen gegenüber dem jüdischen Hohepriester, das sogar die makedonischen Fürsten erbittert, und seine Selbstheherrschung, auf die wiederholt hingewiesen wird,² lassen den König in einem anderen Licht erscheinen als am Schlusse der Erzählung, wo folgendes Urteil über sein Leben gefällt wird(Bruns 366): Also gink ot ome; de wile dat he levede, do was he woldich over alle lude; nu is siner de duvel woldich. Korte wile vor he wol, nu scal he ewichliken ovel varen. Hir was he rike ene clene tit, nu scal he arm wesen ane ende. Hir en konde siner nemet vullen mit gude, nu wert he vorvullet mit dem helle- schen vure. In dem Augsburger Druck von 1483, dem Kölner Druck von 1484, sowie in
¹ des paphlagonischen Meeres nach Josephus Antiqu. II 16(Zingerle, Die Quellen zum Alexander des Rudolf von Ems, 90). 2 sin tucht de sturde ome darvan(Bruns 348); doch sturde he sek sulven(Bruns 343).


