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(Hannoversche Hs.) seien die sieben Todsünden an zwei Stellen in verschiedener Reihenfolge aufgezählt, auf Blatt 184 anders als auf Blatt 473. Nach der Reihenfolge aber, in der die sieben Todsünden aufgezählt zu werden pflegten, unterscheidet er drei Perioden: 1) eine Gregorianische Periode bis etwa 1400, 2) eine Periode des Schwankens bis 1494 und 3) eine sogenannte Saligiaperiode bis heute. Wenn wir also jene von einander abweichenden Aufzählungen in der Hannoverschen Hs. nicht auf Rechnung des Schreibers setzen wollen, so müßte danach der Seelentrost in die Periode des Schwankens, also z wischen 1400 und 1494 fallen. Allein die ganze Beweisführung kann für die Datierung unseres Werkes schon darum nicht in Betracht kommen, weil die beiden angeführten Stellen gar nicht in dem Seelentrost enthalten sind, sondern in anderen Schriften, die zufällig in der Hannoverschen Hs. auf den Seelentrost folgen; vgl. das Verzeichnis des Inhalts der Hs. bei Bodemann, Die Hss. der kgl. Bibliothek zu Hannover, S. 617 und Borchling, Die mnd. Hss. in Nord- deutschland und in den Niederlanden(Nachr. d. Göttinger Ges. d. Wiss. 1898, Heft 2), S. 201. Noch ein anderer Einwand könnte gegen die angenommene Abfassungszeit erhoben werden. Man kann zwar nicht bestreiten, daß die mnld. Historienbibel I vor 1358(oder in diesem Jahre) entstanden ist, aber es wäre doch denkbar, daß sie damals den Alexander noch nicht enthielt und erst ein späterer Abschreiber jenen zwischen das Buch Esther und das Makkabäerbuch eingeschaltet hätte.“ Indes auch dieses Bedenken ist nicht stich- haltig. Es zeigt sich nämlich, daß auch in der Einleitung der Historienbibel, die Le Long in seinem Boekzaal der nederduytsche Bybels(Amsterdam 1732), S. 255— 7 abgedruckt hat, der Seelentrost ausgiebig benutzt ist, und darum dürfen wir als sicher annehmen, daß schon dem Verfasser der Historienbibel das Buch über die zehn Gebote als Quelle diente. Die Gegenüberstellung der beiden Einleitungen wird diesen Sachverhalt veranschaulichen.
Historienbibel:
. Want het is der Sielen Salicheit, dat men die Heilighe Scrift gaerne leest, ende hoert lesen. Want ghelyc dat dat Lichaem leaſt van dertscher spisen, alsoe leoft die ziel van der Heiligher Scriften. Want die mens en leeft niet alleen bi den natuerliken brode, mer oec van doen woerden die daer gaen vut den monde Gods, dat is, die Hei- lighe Scrift, die God in't Oude Testament gesprokoen heeft, dor die monde der Pro- pheten. Ende in dat Nyeuwe Testament heeft God Jhesus Christus die Ewangelien selue gesproken ende geleert; ende na der Hemeluaert Jhesu, doe die Apostelen, ende die Discipulen den heilighen Geest ontfangen hadde, doe predicten ende leerden si voirt die Woerden Gods, om salicheit alre men-
Seelentrost(Stuttgarter Hs., s. Pfeiffer 176 ff):
Der selen troist liget an hilger leren und an betrachtungen der hilger schrift. WMant gelicher wis als der licham lofft van der ertzscher spisen, also leofft de sele van hil- ger lere, want der minsch levet noit allein van dem uswendigen broide, Ssonder ouch van den worden, de da gaint us dem munde Qols. und dat is de hilge schrift, de got Lgesprochen hait durch den propheten(Ham- burger Hs.: durch der propheten mont) und durch die heilgen lerer(fehlt in Stuttgart., aber gesichert durch v. Arnswaldt., Ham- burg., Gießen.) und noch alle dage spricht durch der preitgere mont.
1 Ahnlich wie Lamprechts Alexander nicht von Rudolf von Ems in seine Weltchronik aufgenommen
wurde, sondern über hundert Jahre später in einen Auszug aus Rudolfs Werk eingeschoben worden ist(vergl.
Zacher, ZsS. f. deutsche Phil. 10, 80 ff).
² Vergl. Van Druten, Geschiedenis der Nederlantsche Biſbelvertaling. S. 74 u. 100.


