Aufsatz 
Beiträge zur Alexandersage : I. Die Alexandersage im "Seelentrost" ; II. Ein neues Bruchstück einer Handschrift des Julius Valerius / von Heinrich Fuchs
Entstehung
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An welchem Orte er jedoch entstand, ob zu Lübeck, wie Leverkus beweisen wollte, oder in der Rheingegend, da er schon so früh in der mnld. Historienbibel I benutzt wurde, dafür fehlt bis jetzt jeder sichere Anhaltspunkt.

Wiederholt hat man allerdings geglaubt, sogar den Namen des Verfassers ge- funden zu haben. Harzheim schrieb das Werk einem Johannes Moirs Sultze zu, und Grässe(Trésor VI, 340) folgte ihm, ohne seinen Gewährsmann anzugeben. Reiffer- scheidt(Z. f. deutsche Phil. 1875, 424) stellte dann fest, daß sich Harzheim durch eine Schreibernotiz der Kölner Hs. hatte verleiten lassen, den Abschreiber für den Verfasser des Werkes zu halten. Genau in denselben Fehler verfiel später Falk, dessen Irrtum von Nörren- berg(Zentralbl. f. Bibliotheksw. 1892, 578) wieder richtig gestellt wurde. Daß auch Fridericus Sommer de Lore, den Adrian in seinem Catalogus mss. bibl. ac. Gissensis als Verfasser des Seelentrosts nennt, nur der Schreiber der Gießener Hs. ist, hat ebenfalls bereits Reiffer- scheidt erkannt. Der Name des Verfassers ist also bis jetzt noch vollständig in Dunkel gehüllt.

Etwas sicherer ist unsere Kenntnis bezüglich der Entstehungszeit des Werkes. Pfeiffer(a. a. O. 175) glaubte nicht, daß das Buch früher als in den Anfang des 18. Jahr- hunderts gesetzt werden dürfe, und unsere ältesten Hss.(von 1406 u. 1407), die Pfeiffer noch nicht kannte, führen uns in dieselbe Zeit. Die Urschrift hätten wir indes auch in der v. Arnswaldtschen Hs. nicht zu sehen, wie z. B. die Auslassung einer ganzen Zeile an folgender Stelle beweist: Bl. 1'd Cahrb. d. Vereins f. nd. Spr. 11, 101): Dat boeck wil ick toe zamen lezen van mennigerhande blomen. Die Gießener Hs. dagegen bietet: von manicher- hande buchern, Glicher wyse als der biene das honigzusamen lesen von manicherhande blumen; ebenso die Stuttgarter Hs.(Pfeiffer a. a. O. 178).2 Der Schreiber ist also von dem erstenmanicherhande seiner Vorlage auf das zweite abgeirrt. Wie weit das Abfassungsjahr hinter 1400 zurückliegt, war bisher unbekannt, und ganz ge- nau läßt es sich auch heute noch nicht bestimmen. Diejenigen, die das Werk noch dem 14. Jahrhundert zuweisen, haben einen Grund dafür nicht beigebracht. Die Mitte des 14. Jahrhunderts nehmen als Entstehungszeit an Leverkus, Reifferscheidt(ahrb. d. Vereins f. nd. Spr. 1885, 101, A. 5) und Jellinghaus(Pauls Grundriß II 1, 442), das Ende des 14. Jahrhunderts Müllenhoff(a. a. O.noch vor Ablauf des 14. Jahhrhunderts), während Hertz ganz allgemein sagt:aus dem 14. Jahrhundert stammend.

In dieser Unsicherheit hilft uns nun die oben erwähnte mnld. Historienbibel I, die ihre Alexandergeschichte aus dem Seelentrost entlehnt hat, ein gut Stück weiter. Die älteste der von Hoogstra benutzten Hss.(A) soll nämlich nach der Schreibernotiz vom 17. März bis 9. Oktober 1358 abgeschrieben worden sein. Die Hs. stammt jedoch nach Hoogstra wahrscheinlich nicht selbst aus dieser Zeit, sondern aus dem Ende des 14. oder dem Anfang des 15. Jahrhunderts(Hloogstra, Einleitung 34) und hat die Zeitangabe aus ihrer Vorlage übernommen; immerhin ersehen wir daraus, daß die Historienbibel l im Jahre 1358 vorhanden war und demnach ihre OQuelle, der Seelentrost, vor dieser Zeit entstanden sein muß.

Scheinbar widerspricht diese Datierung den Aufstellungen Babuckes im Jahrb. d. Vereins f. nd. Spr. 1891, 108/9. Babucke behauptet nämlich, in dem Seelentrost von 1473

¹ Aus Falks Aufsatz ist der Irrtum übergegangen in Hurter, Nomenclator liter. rec. theol. cath. IV, 720.

² Darnach ist das Zitat bei Jansen, Gesch. d. deutschen Volkes I¹s, 57 zu verbessern.

3 Ebenso ist die Jahreszahl 1360 oder 1361 in den Hss. der mnld. Historienbibel II, die der Mitte des 15. Jahrhunderts angehören, aus den Vorlagen abgeschrieben(Hoogstra, Einleitung 77).