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Mitarbeiter zu ſeinem Lebenswerke, das Gießener Gymnaſium zu einem modernen Gymnaſium, wie es ihm vorſchwebte, zu machen. Eine ſolche Anltalt lollte jenen innigen Zulammen- hang mit dem Geiſt der antiken Kultur, wie ihn der Neu- humanismus errungen, feſthalten und hierdurch wie durch einen vertieften Gelchichtsunterricht den hiftorilchen Sinn pflegen; ſie ſollte aber zugleich die Schüler heimilch machen in den beften Werken unlerer nationalen Litteratur; und ſie lollte ihnen Verftändnis geben für die Kultur der Gegen- wart, belonders nach ihrer naturwilſenſchaftlichen Seite, nicht minder für unſere ſtaatlichen und wirtſchaftlich-ſozialen Zuftände. Und das alles ſollte geleiſtet werden, ohne daß die Jugend überbürdet werde, ohne daß ihre körperliche Entwicklung Schaden leide. Daß Schiller hiermit eine lehr bedeutlame Aufgabe in Angriff genommen, bekundet ſich darin, daß unſere Anſtalt ſeit dem Ende der 80er Jahre von einer großen Zahl deutlcher und ausländilcher Pädagogen aufgelucht wurde, die das pädagogiſche Seminar und den Unterrichtsbetrieb am Gymnalium kennen zu lernen wünſchten.
Freilich hat es Schiller auch nicht an Gegnern
—Beuten- gefehlt. Insbelondere hat es Widerſpruch erfahren,
Ankichten. daß er eine Belſchränkung des altſprachlichen,
zumal des lateinilchen, Unterrichts in dem heſfliſchen Gymnaliallehrplan von 1893, der in der Hauptſache von ihm ſtammt, durchfetzte; man hat gemeint, er lalle ſich dabei lediglich von gewilſen Zeitltiömungen treiben. Aber jener weltgeſchichtliche Prozeß, daß in den letzten Jahrhunderten eine ſelbltändige moderne Kultur erwachſen iſt, vielfach reifer und bedeutender als die antike— iſt keine raſch vorüber- gehende Bewegung auf der Oberfläche der Zeit; und darum
Ludwig Hüter, Programm von 1889; ferner ſeien erwähnt die Pro- gramme von Ernſt Kutſch über den mathematiſchen und von Adolf Matthaei über den Zeichen-Unterricht. Auch die der 38. Verſammlung deutſcher Philologen und Schulmänner(1885) vom Lehrerkollegium gewidmete Feſtſchrift legte Zeugnis ab von dem in ihm lebenden wilſlenſchaftlichen Geilte.
1 Natürlich trug dazu auch Schillers Ruf als pädagogilcher Schrift- ſteller bei. Näheres über ſeine Perſönlichkeit und ſein Wirken in meiner Schrift„H. Schiller als Pädagog“(Südwelſtdeutſche Schulblätter 1902, No. 9, S. 325 ff.; auch ſeparat Gießen 1902). Eine eingehende Schilderung des damaligen Zuſftandes des Gymnafiums gibt das Buch des Profeffors an der Univerſität zu Löwen Fr. Collard,„La pédagogie à Gießen“, Louvain 1893. Erinnerungen aus dem Schülerleben jener Zeit wurden veröffentlicht in den Sietener Familienblättern 1907, No. 147, 148, 150.


