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war wenigſtens urſprünglich leine Anſicht) die einzige Vor- bereitungsanftalt für die Univerſität lein. Darin ſtimmte er überein mit den konlervativ geſinnten Vorkämpfern des neu- humaniltilchen Gymnaliums. Aber er trennte ſich von ihnen in leinen Anſchauungen über die Geſtaltung des gymnalialen Lehrplans ſelbſt. Er war überzeugt: das Gymnaſium kann ſeine Stellung als einzige Vorbereitungsanftalt für die Uni- verſität nur behaupten, wenn es den modernen Bildungs- fächern viel größere Rückſicht angedeihen läßt, wenn es das Realgymnaſium gewilſermaßen in lich aufnimmt und dadurch entbehrlich macht. Der Gefahr einer Ueberbürdung der Jugend iſt dabei entgegenzutreten durch eine ſtrenge Auswahl des Lehrſtoffs unter Ausſcheidung alles pädagogilch Wertlolen, durch eine planmäßige Verknüpfung der ver- lchiedenen Fächer und durch ein beſſeres Lehrverfahren. Die lIdee einer beſonderen Didaktik, d. h. einer Lehrkunft auf wiſſenſchaftlicher, beſonders pſychologiſcher Grundlage, die ſchon falt 300 Jahre früher an Helwig einen begeiſterten Vertreter in Gießen gefunden hatte, war auch für Schiller ein leitender Gedanke. Aber während Helwigs Tätigkeit vor allem deshalb ohne nachhaltige Wirkung blieb, weil es an geeigneten Lehrern fehlte, Io war Schiller von ieaun vornherein darauf bedacht, eine Pflanzſchule für pägogilenen Lehrer zu begründen und ſo Sorge zu tragen, daß die pädagogiſchen Ideen und Theorien die Lehrtätigkeit ſelbſt befruchten ſollten. Schon zu Beginn des Winter-Semeſters 1876 wurde nach ſeinen Vorſchlägen das pädagogiſche Seminar an unſerem Gymnaſium errichtet, das ſeitdem für eine ganze Anzahl ähnlicher Anſtalten innerhalb und außerhalb Hefſens vorbildlich geworden iſt.i
Nach und nach ſetzte ſich auch das Lehrer-
d) Wirk- 3 4 1 n Wirkn kollegium falt ganz aus Männern zulammen, die
Gymnalium. durch Schiller ihre pädagogiſche Ausbildung empfangen hatten und z. T. logar leine Schüler im Gymnaſium ſelbſt geweſen waren.2 So erzog er ſich die
1 Die älteſten Statuten des Seminars ſind abgedruckt im Gym- naſial-Programm von 1877.
2 Eine Reihe wertvoller Programmabhandlungen pädagogiſchen Inhalts ſind damals unter der Anregung Schillers entftanden. So wird der von ihm vertretene Gedanke der Verknüpfung(Concentration) der Lehrfächer in ſeiner Durchführbarkeit und Fruchtbarkeit im einzelnen dargelegt: für Quinta von Franz Schmitt, Programm von 1894/95, für Quarta von Karl Maurer, Programm von 1891, für Untertertia von


