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der Naturwilſenſchaft, ebenlowenig der Geſtaltung unlerer politilchen und wirtſchaftlichen Verhältnille, den Anforder- ungen der raſch wachſenden Beziehungen zu anderen Kultur- völkern; auch ein gelteigertes Nationalitätsbewußtlein lehnte lich dagegen auf. So forderte man ungeltüm eine viel weiter gehende Berückſichtigung der Naturwiſſenſchaften und der Mathematik, der neueren und neueſten Geſchichte, Einführung in das Verſtändnis unſerer politilchen, ſozialen und wirtſchaftlichen Verhältniſſe, mehr Uebung in den neueren Sprachen und vor allem verlangte man, daß die Beſchäftigung mit der deutſchen Sprache und Litteratur in den Mittelpunkt des Unterrichts aller höheren Anltalten treten mülle.
Mit dielem Drängen nach Umgeſtaltung der Gymnalien ſelbſt verband ſich ein Konkurrenzkampf unter den einzelnen Arten der höheren Schulen. Längſt waren ja die Gymnalien nicht mehr die einzigen Schulen für eine höhere Allgemein- bildung. Realſchulen mit und ohne Latein waren im Laufe des 19. Jahrhunderts in wachſender Zahl ihnen an die Seite getreten. Sie beſchränkten lich ſchon lange nicht mehr darauf,„eine höhere Bildung des Bürgers Tund Gewerbe- ſtandes anzuſtreben“, wie es in dem Eröffnungsprogramm der hieligen Reallchule von 1837 heißt. Als notwendige Bedingung für die volle Entwicklung der Realſchulen forderten ihre Freunde vielmehr Gleichberechtigung mit den Gymnaſien.
Dagegen ſträubten ſich aber vor allem die Vertreter der Univerfitäten, deren Aufgabe natürlich durch eine lo ungleichmäßige Vorbildung ihrer Studenten nicht wenig d) Schillers erlchwert wurden und die altſprachliche Bildung
päda- für manche Disziplinen als unentbehrliche Vor-
opllche ausletzung anfahen Schiller verkannte durchaus nicht die Bedeutung des Reallchulweſens. Vor
allem die lateinlolen Realanftalten lollten nach leiner Anſicht in ihrer Verbreitung und Entwicklung möglichlt gefördert werden; ſie follten denen, die nicht ſtudieren wollten, eine höhere allgemeine Bildung vermitteln, als die Volkslchule bieten kann, und ſie ſollten in ihrer vollen Ausgeltaltung, als Oberrealſchulen, für die technilchen Hochſchulen vorbereiten. Das Gymnaſium aber ſollte(das
1 Eine genauere Darftellung all dieſer pädagogiſchen Beſtrebungen und ihrer Erfolge habe ich gegeben in meinem Buche:„Die Reform- bewegung auf dem Gebiete des preußiſchen Gymnalialweſens von 1882 bis 1901“, Leipzig und Berlin 1901.


