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Am 6. Januar 1879 wurde das neue Gymnaſialgebäude an der Ecke der Südanlage und der Bismarckſtraße bezogen.“ Der Landtag hatte 240 000 Mk. für den Bau und 12600 Mk. für das Mobiliar bewilligt. Wegen der Landestrauer um den Tod der Großherzogin Alice gelchah die Einweihung in aller Stille. Oſtern 1879 wurde auch die unterlte Klalſe, eine dreiklaflige Vorſchule, errichtet, die in den folgenden Jahren ausgebaut wurde; von 1884 an wurde auch Ober- und Unter-Prima getrennt unterrichtet.
Die Schülerzahl hatte ſich ſeit dem Tiefltand der 30er Jahre langfam wieder gehoben; ſie hatte Ende der 70er Jalre mit 230 bis 240 Schülern wieder den Stand der 20er Jahre erreicht,? und die folgenden Jahre brachten noch ein weiteres Wachstum.
r Srnalſe Inzwiſchen war Weidner am 1. April 1876 (is eh, zum Direktor des Gymnaſiums in Darmitadt
ernannt worden, als lein Nachfolger wurde berufen der ſeitherige Direktor des Konftanzer Gymnaliums Herman Schiller, der zugleich zum ordentlichen Profeſlor der Pädagogik an der Landesuniverſität ernannt wurde. Weidner ſagt von ihm in dem Programm von 1876:„Die Anlttalt wird in ihm einen praktilch und wilſenſchaftlich bewährten Mann als Lehrer und Leiter gewinnen“. Schiller hat in ſeiner mehr als 23jährigen Wirkfamkeit in Gießen dieſe Vor- ausſage im weiteſten Umfang wahr gemacht. Wie im Anfang der Geſchichte unſerer Anſtalt Gießen der Sitz bedeutlamer pädagogiſcher Reformbeſtrebungen war, ſo wurde es dies auch gegen das Ende der Periode, die wir überblicken, durch Herman Schiller.
Eine Umgeſtaltung des höheren Schulwelens
a) pPadago- ſtand ja in den letzten Dezennien des 19. Jahr- soeienske- hunderts im Mittelpunkt des öffenilichen Interelſes.
Atrebungen. Gegen die ausſchließliche Herrſchaft der klafliſchen
des 19. Philologie an unſeren Gymnalien hatte lich mehr hulahrrts. und mehr Widerſpruch erhoben. Man fand lſie durchaus nicht mehr entſprechend der Entwick-
lung des wilſſenſchaftlichen Lebens, zumal dem Aufſchwung
1 Vgl. die nähere Beſchreibung im Programm des Gymnaliums von 1880.
2 Ein bedeutſamer Faktor ilt dafür wohl die ſtarke Steigerung der Einwohnerzahl Gießens. Sie betrug am Anfang des 19. Jahr- hunderts 5000, 1840: 7000, 1870: 10000, 1890: 20 000, 1907: 30 000.


