Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
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Aufnahme in die unterfte Klalle kann nach zurückgelegtem 10. Jahr erfolgen. Dabei wird aber ſchon die Kenntnis der lateinilchen Formenlehre vorausgeſetzt. Sie wurde bereits in der oberſften Abteilung der Vorbereitungsklafſfe gelehrt, die damals im Gymnalialgebäude eingerichtet wurde, und ebenfalls unter dem Direktor ſtand.(Sie ging übrigens Herbſt 1849 wieder ein.) Der Lehrplan ſelbſt zeigt in gleichem Maß den Sieg der neuhumaniltilchen Gymnaſial- pädagogik wie der preußilche Lehrplan von 1837.

Das Griechiſche, das ſeither in der oberften Abteilung der Tertia begonnen hatte, beginnt jetzt ſchon gleich mit der Sexta. Seine Stundenzahl iſt beträchtlich vermehrt; es hat in der unterften Klafſe 4, in allen folgenden 5 Stunden. Auch Franzöſilch beginnt ſchon in Sexta; ihm lind in allen Klafſen 2 Stunden zugewielen; das Deutſche erhält je 3, auch die Zahl der Mathematikſtunden ilt vermehrt. Der Lehrgang loll noch ſphärilche Trigonometrie und Kegel- ſchnitte einbegreifen. Das Lateinilche hat freilich einige Stunden eingebüßt.

Zu den inneren Veränderungen trat eine äußere. 1844 erhielt das Gymnalium eine neue Wohnſtätte auf dem Brand- platze in dem jetzigen Regierungsgebäude.

Geift ſelblt war ein gewillenhafter und beliebter Lehrer und ein tüchtiger klalſiſcher Philologe, der auch durch einige litterariſche Arbeiten Proben ſeiner Gelehrlamkeit abgelegt hat.

lch ſtütze mich dabei auf die Angabe mehrerer Herren, die noch ſeine Schüler waren und eines, der unter ihm als Lehrer an der Anftalt wirkte. Damit ſtimmt auch überein, was ein anderer ehemaliger Schüler Geifts(uftizrat Kraft) in feinen gelegentlich des Univerſitäts- jubiläums veröffentlichten jugenderinnerungen von dieſem erzählt. Sie lind unter dem TitelAus der Jugendzeit(Erinnerungen eines alten Gießeners) in mehreren Nummern der Gießener Familien- blätter(Unterhaltungsblatt zumGießener Anzeiger) und auch ſeparat (unter dem TitelAus der Gymnaſial- und Studentenzeit, Gießen 1907) erſchienen. Sie geben ein ſehr anſchauliches Bild von dem Schul- leben an unſerem Gymnaſium um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals war auch Schüler des Gymnaſiums der Dichter und Schrift- ſteller Ernſt Eckſtein(geboren 1845 zu Gießen, geftorben 1900 zu Dresden). Seine SchulhumoreskenAus Sekunda und Prima, Leipzig 1875, haben einen glänzenden Erfolg gehabt. 1893 erſchienen ſie bereits in 56. Auflage. Ein Skizze daraus,Der Beluch im Carcer ift beſonders abgedruckt worden(1. Auflage, Leipzig 1875, 57. Auflage 1902), ſie ilt auch dramatiliert worden. Für den darin vorkommenden Gymnalial- direktor Samuel Heinzerling hat lichtlich Geift das Vorbild abgegeben;