Aufsatz 
Geschichte des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums zu Giessen / von August Messer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

56

Während der langen Zeit, da Geiſt Direktor war, hat lich übrigens jene unbeſtrittene Vorherrſchaft der alten Sprachen am Gymnaſium doch nicht uneingeſchränkt zu behaupten vermocht. Allmählich kamen von der Uni- verſität auch Lehrer, die für andere Fächer als klaſſiſche Philologie tüchtig vorgebildet waren. Sie drangen darauf, daß die Forderungen des Lehrplans in dieſen Fächern nicht mehr auf dem Papier ſtehen blieben, daß auch die Leiſtungen in ihnen für das Urteil über Verſetzung und Entlaſſung der Schüler zur Univerſität in Betracht kommen.2 So war es Ende der 60er Jahre doch wohl nicht mehr möglich, daß Schüler das Reifezeugnis erhielten, die nicht einmal die vier Spezies verſtanden.

beſonders ſeine Sprechweiſe ſoll kopiert werden. Der Vorfall ſelbſt

iſt freie Erfindung. Ueber Eckftein vgl. noch den Aufſatz von Friedrich

NoaokVom Dichter des Beſuchs in Carcer, Ludoviciana No. 6, . 99 f.

1 Einige Daten aus der Univerſitätsgeſchichte ſind hierfür bemerkens- wert. 1814 kündigt Profeflor ZimmermannErklärung des Nibe- lungenlieds an, wohl das erſte germanilftiſche Kolleg(Feft- ſchrift I, 393, No. 455), 1818 wird eine eigene Profefſur für Chemie und Mineralogie errichtet(394, No. 479), 1823 eine neuphilologiſche Profeſſur als Extraordinariat, die ſchon 1824 Ordinariat wird(395, No. 507), 1824/25 richtet Liebig ſein chemiſches Laboratorium ein (395, No. 512), 1831 wird das erſte Kolleg über Meteorologie gelelen, 1834 über phyſiſche Geographie(397, No. 548), 1850 erſcheint ein ſelbſtändiger Vertreter der Botanik und Zoologie(400, No. 635), 1850 werden(wohl zuerſt in Deutſchland) zoologiſche praktiſche Uebungen gehalten(402, No. 660), 1852 wird ein Extraordinariat für Germaniftik errichtet, das 1867 in ein Ordinariat verwandelt wird (402, No. 665), 1861 wird einmathematiſch-phyfikaliſches Kabinett (403, No. 686), 1862 ein phylikaliſches Inſtitut und Seminar(403, No. 691), 1863 ein mathematiſches Seminar errichtet(403, No. 694), 1863 bekleidet v. Schlaginweit die erfte geographiſche Titularprofeffur, ſeit 1891 giebt es ein Extraordinariat, ſeit 1903 ein Ordinariat für Geo- graphie(402, No. 693), 1876 erfolgt die Gründung eines hiftoriſchen Seminars(404, No. 723), 1886 die Errichtung eines deutſchen Seminars, das ſeit 1889 germaniſch-romanilches Seminar ilt und 1907 in zwei Seminare getrennt wird(405, No. 765).

²2 Sehr belehrend iſt dafür der Aufſatz des Univerſitätsprofefſors Alexander Naumann,Aus meiner Gymnaſiallehrerzeit(1862 1869): Zur Entwicklungsgeſchichte des mathematiſch-naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts am Gymnaſium zu Gießen, Gießener Familienblätter 1907, No. 161. Darin wird auch auf die Verdienſte des damaligen Oberſtudienrats Profeſſor Karl Wagner um die Entwicklung des hefſiſchen Schulweſens hingewieſen.

In dieſem Zuſammenhang ſei auch erwähnt, daß im Winter 1856/57 300 fl. für den Zeichenunterricht, 1400 fl. für den phyſikaliſchen und mathematiſchen Unterricht und 100 fl. für die Bibliothek außer- ordentlichner Weiſe bewilligt wurden.