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iſt eben auch kein Zaubermittel, das in der Hand eines jeden die Schule zur Pflanzlſtätte edlen Menſchentums machen könnte.
Profeſlor Joſef Hillebrand war der letzte arr Ankaft Pädagogiarch im alten Sinne. Infolge der Gebiets- UNon der. vergrößerung Hefſens in der Napoleoniſchen Zeit
waren zu den beiden alt-heſſiſchen Pädagogien zu Gießen und Darmſtadt vier weitere Gymnaſien getreten: die zu Mainz, Worms, Bensheim und Büdingen. Im Jahre 1824 hatte man eine Pädagog-Kommilſion für jede der drei Provinzen gebildet; 1832 hatte man dieſe Kommiſſionen durch einen Oberſtudienrat für das ganze Land erſetzt, in den auch Hillebrand berufen wurde. Damit war das Gießener Pädagogium mit einer Reihe gleichartiger Anſtalt unter eine belondere Aufſichtsbehörde geftellt, und ein ſachlicher Grund für ſeine Zugehörigkeit zur Univerlität lag nicht mehr vor. 1836 erfolgte die finanzielle Trennung, wobei der Schul- fond des Pädagogs der Univerſität zugewieſen wurde. Als dann Hillebrand 1838 von der Leitung des Pädagogiums zurücktritt, da wird zum erften Mal ein Mann an die Spitze der Anſtalt berufen, der nicht zugleich Univerſitätsprofeflor iſt; er führt auch nicht mehr den Titel„Pädagogiarch“, ſondern„Großh. Gymnaſialdirektor“, die Anſtalt ſelbft heißt jetzt nicht mehr„academiſches Pädagogium“, ſondern„Großh. Gymnaſium“. ka Gein Der erfte Gymnaſialdirektor im heutigen Sinne (183873h. war Dr. Eduard Geift aus Nidda. Er hatte ſchon
1825 bis 1835, allo zu der Zeit, da Carl Vogt das Pädagogium beluchte, als Lehrer an der Anltalt gewirkt. Er war hierauf 3 Jahre am Gymnaſium zu Darmſtadt tätig gewelen und hat dann noch 35 Jahre, von 1838 bis 1873, das Gießener Gymnalium geleitet.
Oua Sogleich im Jahre nach ſeinem Amtsantritt vonasss. erfolgte eine neue Organiſation des Gymnalſiums
durch eine Verfügung des Oberſtudienrats vom 26. April 1839. Die Anſtalt hat danach 9 ordentliche Lehrer, ſie zerfällt in 6 Klafſen? bei einem Sjährigen Kurs. Die
1 Linde, a. a. O., 278.
2 Die zwei unterſten, allo Sexta und Quinta, haben damals zwei- jährigen Kurs, die anderen einjährigen. Nach dem Programm von 1850 haben die vier unterften Klafſen einjährigen, die zwei oberen zweiſahrigen Kurs. Der Beginn des Schuljahres ilt auf Oſtern feſt- gelegt.


