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Pädagogs und den an ihm herrſchenden Zuſtänden entwirft,¹ trägt ein ſtark ſubjektives Gepräge; es kommt ihm augen- ſcheinlich auf eine möglichft draftilche Wirkung an. Auch lag ſeine Veranlagung in beſonderem Maße nach der natur- willenſchaftlichen Seite, und es iſt verftändlich, daß ein Unterricht, in dem das Altphilologilche derart überwog, ihm wenig lympathiſch war. Lebenswahr aber ilt ſeine Schilder- ung im Ganzen: das ſcheint mir unheſtreitbar; mag auch manches Einzelne ungenau oder ſtark übertrieben ſein.
Vogt erzählt, die erſten Schuljahre habe er unter der Fuchtel eines Kandidaten zugebracht, der eine Privatſchule mit etwa 30 ABC-Schützen eingerichtet hatte. Mit Arbeit war er da nicht allzuſehr überhäuft. Dann trat er ins Pädagogium, in„die Klalſe“, wie man damals in Gießen lagte. jede der 4 Klalſen hatte drei Ordnungen, die aber gewöhnlich zulammen in demſelben Saale unterrichtet wurden. Man blieb meiltens zwei jJahre, oft noch länger, in derſelben Klalle und rückte im günltiglten Falle von Semeſter zu Semefſter in den Ordnungen auf. Quarta wurde meilt noch von Bürgerlöhnen beſucht, welche lich nicht dem Studieren widmen, londern nur eine höhere Bildung erlangen wollten; Tertia zählte nur wenige, Sekunda und Prima keinen, der nicht ſpäter zur Univerlität zu gehen beabſichtigte.
Die Lehrer ſind nach Vogts Schilderung teils ſittlich minderwertig, teils lächerliche Figuren— nur zwei machen eine Ausnahme: der eine iſt der Lehrer der Geſchiichte, Dr. Wilhelm Gottlieb Soldan, der Verfaller eines bekannten Werkes über die Hexenprozeſſe,;„ein durch und durch ehrenhafter und freilinniger Mann, in deſſen Stunden nie etwas Ungehöriges vorfiel und der dennoch faft niemals weder ſtrafte noch Strafreden hielt“. Der andere iſt der Pädagogiarch, der Philolophieprofellor Dr. Jolef Hille- brand,“ der von 1824— 1838 das Pädagog leitete. Vogt
i In ſeinem erft nach leinem Tode(er ſtarb am 5. Mai 1895 in Genf) Stuttgart 1896 erſchienenen Buche„Aus meinem Leben“.
² Für das Folgende, vgl. a. a. O., S. 67 ff. und S. 98— 112.
3 Geſchichte der Hexenprozeſſe, 2 Bände, Stuttgart 1843; neu- bearbeitet von Heppe, 1880.
4 Hier ſei noch kurz ſeines Vorgängers gedacht. Es war der Profefſor der Poeſie und Beredſamkeit Friedrich Carl Rumpf, der ſeit 1798 Lehrer am T2dassum war und es von 1821— 1824 als Päda- gogiarch leitete. Sein Grabdenkmal, das ihm ſeine Schüler errichten


