Geſangftunden lediglich religiöle Lieder eingeübt wurden. Ferner verlammelten ſich die Schüler täglich vor Beginn des Unterrichts zu einer Schulandacht; ein lateiniſches Gebet wird geſprochen, ein Abſchnitt aus der Bibel vorgeleſen. Am Sonntag werden die Klafſen Vor- und Nachmittags zur Kirche geführt. Vor dem Nachmittagsgottesdienſt werden ſie in der Schule verſammelt, um Rechenſchaft über die Predigt am Vormittag zu geben. Schon 1631 kommt noch ein Kirchgang am Donnerstag Vormittag hinzu.
Tehr Unter den Lehrfächern nimmt das Latei- kacher. nilche weitaus dden größten Raum ein. Das ilt wohl begreiflich. Lateiniſch war damals noch die
Sprache der Wilfenſchaft. Die wilſenſchaftlicnen Bücher wurden lateiniſch geſchrieben, alle Vorleſungen, Disputationen, Redeübungen an der Univerlität fanden in lateiniſcher Sprache ſtatt. Erft im Laufe des 18. Jahrhunderts verlor das Lateinilche ganz allmählich diele Stellung, in Gießen z. B. erſcheinen die Vorlefungsverzeichnilſe erft leit 1809 in deutſcher Sprache.¹ So war allo für jene Zeit die Fähigkeit, die lateinilche Sprache zu verftehen und mündlich und ſchriftlich zu hand- haben, die wichtiglte Vorausſetzung für den Beluch der Univerſität. Darum iſt auch der größte Teil der Unterrichts- ſtunden dem Lateinilchen gewidmet. Die Lektüre lateiniſcher Klafſiker, falt ganz auf Cicero und Vergil beſchränkt, hat nicht den Zweck, in die Kenntnis des Altertums, leiner politiſchen und wirtſchaftlichen Zultände und ſeines Geiſtes- jebens einzuführen, ſondern auch an ihr ſollte welentlich die lateinilcne Sprache gelernt werden: an Cicero die pro- faiſche, an Vergil die poetiſche. Dem gleichen Zwecke dienen die ſchriftlichen Uebungen, von denen wöchentlich zwei, eine Hausarbeit und eine Klaffenarbeit(exercitium domesticum und extemporale) vorgeſchrieben ſind. In den zwei oberen Klalſen werden auch die Schüler im Verfertigen lateiniſcher Verſe geübt, ebenſo wird dalelbſt ein Unterricht in der lateiniſchen Redekunſt erteilt. Das Griechilche tritt daneben ſehr zurück. Ihm lind in dem Lehrplan von 1629 in Quarta und Tertia 2 Wochenſtunden, in Sekunda 6, in DPrima 5 zugewieſen. Auch hier ſtrebte man Fertigkeit in der Handhabung der Sprache zu prolailcher wie poetilcher l)arftellung an. Ziel und Methode des Unterrichts war ein- fach dem lateinilchen nachgebildet. An lonſtigen Fächern
¹1 Feltſchrift I, 392.


