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Betrachten wir nun die damalige Organiſation Heltefte des Pädagogiums etwas genauer. Schon an natian des der Marburger Univerſität hatte ein lolches gogiums. belſtanden.“ Das dort vor 1605 geltende a) Statuten. geſchriebene und Gewohnheitsrecht wird wie für die Univerſität, ſo auch für das Pädagogium die Grundlage der Einrichtungen gebildet haben, zumal da ja die Mehrzahl der Profelloren und Scholaren von Marburg herbeigekommen war. Uebrigens ſollten auch weiterhin nach der Verfügung des Landgrafen die Marburger Statuten als fubſidiäres Recht angelehen werden. Kurze Satzungen erhielt die Gießener Univerfität in den„Privilegia et ſtatuta gymnaſio Giesseno anno 1605 clementer concessa“, die auf den 14. Oktober 1605 zurückdatiert wurden. Da damals von Fakultäten erſt die philolophiſche und die theologiſche beſtand, ſo wurden nach der Hinzufügung der beiden anderen Fakultäten die Statuten entſprechend erweitert. Dieſe zweite Faſſung iſt wohl Ende 1615 oder Anfang 1616 der Hochſchule zugegangen, aber auf den 12. Oktober 1607 zurückdatiert worden. Die kurzen Beltimmungen über das Pädagog, die lediglich in der Aufzählung der Pflichten des Pädagogiarchen beltehen, lind in beiden Fafſungen dielelben. Abgedruckt ſind diele älteſten Geletze für die Univerſität in dem„Ludwigs- programm“ von H. Walſerſchleben(„Die älteften Privilegien und Statuten der Ludoviciana“, Gießen 1811, S. 14—24).
Als die Univerſität 1624 nach Marburg zurückverlegt wurde, ſind unter Zugrundelegung eines Entwurfs Mentzers neue Statuten ausgearbeitet worden. In ihnen liegt die alt- marburger Tradition, bereichert und modifiziert durch die Erfahrungen der Gießener Zeit vor. Sie bilden ein ſehr umfangreiches Geſetzbuch von 113 Titeln, datiert vom 1. November 1629. Handſchriftliche Exemplare davon finden ſich auf der Gießener Univerſitätsbibliothek. Die Beltimm- ungen über das Pädagogium(und die Marburger Stadtſchule) ſind abgedruckt bei Wilhelm Diehl,„Die Schulordnungen des Großherzogtums Heſfen“, I. Band, Seite 58— 82(wozu die Erläuterungen im II. Band, Seite 212 ff. zu vergleichen ſind).
Vergl. darüber Chriſtian Koch,„Geſchichte des aka- demiſchen Pädagogiums in Marburg“, herausgegeben von Münſcher, Marburg 1868.
2 In dem I. Bande des Werkes von Diehl ſind auch die weiteren Urkunden, die für die Geſchichte des Pädagogiums bis 1806 von


