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Wichtigkeit des Gegenſtandes verlangt. Doch der rechte Mathematiker muß auch mit geringen Mitteln Großes ausrichten; denn Niemand weiß beſſer als er, daß nicht die Größe der Umfangslinie den Flächengehalt beſtimmt, und daß von der unendlich klei⸗ nen Baſis eine unendlich große Reihe ausgeht. Nur Eins muß ihm gegeben werden — äußere Achtung für ſeine Wiſſenſchaft, wo die innere noch nicht Gelegenheit ge⸗ habt hat aufzukommen. Und dies iſt das große Verdienſt der preußiſchen Regierung, daß ſie ausdrücklich die Mathematik den philologiſchen Wiſſenſchaften gleichgeſetzt, und für die Aufnahms⸗ und Maturitãts Prüfung beſtimmte Forderungen in dieſer Wiſſen⸗ ſchaft feſtgeſebt hat. Nach der jehigen Gymnaſial⸗Einrichtung glaube ich, daß jede Schule der Lektüre Euklids eine ihrer mathematiſchen und eine ihrer griechiſchen Lehr⸗ ſtunden einräumen könne. Mehr bedarf ſie nicht(31), Weniger würde ſie zur Tän⸗ delei herabwürdigen(52). In dieſen 2 Stunden können die Gerſten Bücher der Ele⸗
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gleich mit einer angemeſſenen Lehrzeit beſchenkt worden. Die vierte Klaſſe hat zwar fortwäh⸗ rend nur 2 arithmetiſche Stunden, allein Kinder von 9— 11 Jahren bedürfen auch keines weitern Unterrichts, wie auch Tellkampf a. a. O. geſteht. Dagegen hat Tertia 2 arith⸗ methiſche und 1 geometriſche Stunde, welche zur Einübung der Formenlehre hinreicht. Se⸗ kunda hat ebenfalls drei mathematiſche Stunden, wovon aber ſemeſterweiſe alternirend der größere Theil bald auf Arithmetik, bald auf Geometrie verwandt wird— eine Einrichtung, welche in allen Fächern nachgeahmt zu werden verdiente, deren angemeſſene perpetuelle Aus⸗ dehnung irgend ein Hinderniß beſchränkt. Prima hat ebenfalls drei Lehrſtunden, wovon 2 be⸗ ſtändig der Geometrie, 1 der Arithmetik gewidmet find. (31.) Bei mehr als 2 Stunden würde Euklid keine ſtändige Lektüre ſein können.
(32.) Ich wage die Behauptung, daß in den untern Klaſſen alle Lehrgegenſtände, welche wöchent⸗ lich nur einmal vorkommen, die Hälfte und in den oberen Klaſſen einen nicht unbeträchtlichen Theil an ihrer Wirkſamkeit verlieren, weil zu viele Zeit mit Repetitien verloren geht, und der Schüler demohngeachtet ſich kaum orientirt. In den eben berührten mathematiſchen Un⸗ terrichtszweigen vermindert die Vorbereitung in andern Klaſſen und die Verwandſchaft andrer


