Aufsatz 
Euklid's Elemente als Schulbuch betrachtet / W. J. G. Curtman
Entstehung
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10 Lehrer kann ſich mit Euklid an Strenge der Dispoſition und nüchternem, beſtimmtem Ausdruck meſſen? Drittens nöthigt die Lektüre in fremder Sprache den Schüler zu ſtrengerer Präparation und mehr Selbſtdenken als das Leſen in der Mutterſprache, deren Verſtändniß Mechanismus geworden iſt(21). Vierkens bleibt der mathemati⸗ ſche Elementar⸗Unterricht, ohne darum an Gehalt zu verlieren, gleichförmiger und unabhängiger von Mode, Perſönlichkeit und Nationalität(22); auch wird Munher da

unnd aufhören Sophokles, Euripides und den göttlichen Platon als einzige Vorbilder zu em⸗ pfehlen. Denn abgerechnet, daß unter Millionen nur Einer iſt, den dieſe Muſter auf eine ge⸗ wiſſe Stufe der Vollendung führen, ein mittelmäßiger Dichter aber nach Höltys Ausdruck

ein Unding iſt, ſo iſt die Phantaſie gerade diejenige Seelenkraft, für deren Ausbildung wir jetzt am wenigſten zu arbeiten haben. Klarer, wohlgeordneter, ungezierter Ausdruck iſt der⸗ jenige, welche das Geſchäftsleben von Allen fordert, nud welcher man darf die Regiſtraf turen fragen unglaublich ſelten gefunden wird. Hier wird Euklid Nießwurz ſein.

(21.) Wir ſind durch fremde Benennung nicht nur zur Beachtung jedes einzelnen Begriffs ſon⸗ dern auch zum bisweiligen Stillſtehen, dem beſten Hülfsmittel des Behaltens und Nachden⸗ kens genöthigt. Dem überaus gewöhnlichen Verſchlingen deutſcher Schriften, wovon kaum eine erkennbare Spur im Gedächtniß zurückbleibt, kann nicht beſſer geſteuert werden, als durch

die Nöthigung in fremden Sprachen zu leſen. Freilich muß auch dieſer Lektüre der gehörige Vorſchub geleiſtet, und der Schüler nicht dem zeitraubenden Mechanismus des Aufſchlagens in einem panthiſtoriſchen Lexikon überlaſſen werden.

(22.) Obgleich die Mathematik als Wiſſenſchaft des reinen Verſtandes den Täuſchungen der Wahrnehmung den Vorſpiegelungen der Phantaſie und dem Einfluß der Gefühle ganz entzo⸗ gen, am wenigſten Wechſel der Form zuläßt, ſo bedarf doch ihre Mittheilung eines ſolchen Gewandes, auf welches Zeit, Oertlichkeit und Perſönlichkeit keine geringe Wirkung ausüben.

Bald iſt es unverhältnißmäßige Hervorhebung eines einzelnen Punktes in der groſſen Fläche der Wiſſenſchaft, bald andere Begrenzung und Anordnung des nämlichen Raums, Zerſtückelung⸗ Concentritung, Ampliſikation, Zuziehung ungleicher Hülfömittel, Anwendung auf die verſchies denartigſten Stoffe. Man erinnere ſich nur an die abergläubiſchen Ausgeburten der mathemas