Aufsatz 
Euklid's Elemente als Schulbuch betrachtet / W. J. G. Curtman
Entstehung
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9 thode mit dem menſchlichen Gedankengang überhaupt und die Vorliebe unſrer Jugend für die griechiſche Sprache(17) wahrſcheinlich macht. Es wird zweitens Zeit gewon⸗ nen, da die Lectüre des griechiſchen Geometers zu Beidem, dem griechiſchen Sprach⸗ und mathematiſchen Unterricht gezählt werden kann, die Aufgaben aber demohngeach⸗ tet die gewöhnlichen nicht zu überſteigen brauchen(18). Wenn auch der Gewinn für die griechiſche Sprachkenntniß unbedeutender iſt als der für Geometrie, ſo iſt derſelbe

doch wegen Euklids reiner und korrekter Schreibart ſchon nicht verächtlich(19), weit ſchaͤtzbarer aber noch für die Ausbildung des Styls überhaupt(20). Denn welcher Lehrer

(17.) Faſt alle Schüler, außer denen, welche durch früheres Verſäumniß gelähmt wurden, zie⸗ hen die griechiſche Sprache der lateiniſchen vor. Es mögen daran die inneren Vorzüge des Hellenismus eben ſo vielen Antheil haben, als der glückliche, die Jugend feſſelnde Inhalt eines Homer und Fenophon. Platon und Demoſthenes würden der Gräkomanie eben ſo wenig Rekruten werben, als Cicero dem Latinismus.

(18.) Ich möchte um vieler Vortheile willen nicht die Lernlaſt der Schüler vergrößern. Auch ohne dies wird eine Generation kommen, welche mit der Klage gegen uns auftritt: Ihr habt uns um todtes Wiſſens willen die Hälfte unſers Augenlichts, unſerer Nerven⸗ und Muskel⸗ kraft, und unſerer Lebensjahre geraubt. Ihr habt uns Lateiniſch gelehrt, damit wir leſen kön⸗ nen, es ſei ein weiſeres Geſchlecht geweſen, welches einen geſunden Geiſt in einem geſunden Körper ſchätzte, und damit wir fühlen mögen, welch ein erbärmliches Daſein das ſei, deſſen Bewegung von Pferdekraft, deſſen Geſichtskreis von der Schärfe der Brillen, deſſen Gedächt⸗ niß von der Leſerlichkeit der Buchſtaben abhängt!.

(19.) Die Sprache wird mindeſtens ihrem Laut, ihren Formen und Konſtructionen nach im Ge⸗ dächtniß erhalten, auch der Zugang zu manchem Schriftſteller eröffnet, welcher, obgleich we⸗ niger elegant, eben ſo wichtig als Homer und Xenophon iſt. So lange wir nicht griechiſch ſchreiben, kemmt es wenig darauf an, welchem Dialekt ein Schulſchriftſteller angehört.

(20.) Man wolle doch endlich einmal von dem Vorurtheil für den poetiſchen Styl zurückkehren, . 2 6.